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Zukunft: No cash?

Der Finanzsektor erlebt z.Zt. einen grundlegenden Wandel. Zwei Treiber sind dafür hauptsächlich verantwortlich:

  1. Der technische Fortschritt ermöglicht durch die zunehmende Digitalisierung nicht nur in der Industrie (Stichwort 4.0), sondern auch im Finanzsektor vollkommen neue Geschäftsmodelle und wird einen tiefgreifenden Strukturwandel erleben.
  2. Die globale Finanzkrise hat das Vertrauen in das Finanzsystem in großen Teilen erschüttert. Der Wunsch nach neuen Lösungen und Alternativen zu den etablierten Papiergeldwährungen ist offenkundig. Virtuelle Währungen wie Bitcoin sind eine unmittelbare Folge dieses Vertrauensverlustes.

An einer Stelle treffen technischer Fortschritt und Finanzkrise aufeinander, nämlich bei der Frage, ob die Verwendung von Bargeld überhaupt noch zeitgemäß ist. Technisch ist es inzwischen problemlos möglich, den Zahlungsverkehr ohne jegliches Bargeld abzuwickeln.

Hinzu kommen aktuell die Auswirkungen im Zahlungsverkehr durch die Corona-Pandemie. Sie hat dem bargeldlosen Zahlungsverkehr (wie der Digitalisierung überhaupt) in ganz Europa einen Schub verliehen, für den es sonst wohl eine Generation gebraucht hätte.

In einer Erhebung der EZB vom Januar 2021 gaben 45% der 17.779 Befragten an, seit Beginn der Pandemie Scheine und Münzen viel weniger verwendet zu haben. Von diesen wollen fast 90% das auch nach der Pandemie so beibehalten. Als Hauptgrund wurde genannt, dass elektronisches Zahlen, etwa kontaktlos mit EC-Karte, sich während der Pandemie als zweckdienlicher erwiesen hat.

Das Bargeld – endet diese deutsche Leidenschaft?

Warum hängen wir Deutschen so am Bargeld? Ein wesentlicher Faktor ist der vermeintliche Verlust der Kontrolle, meint der Wirtschaftspsychologe Erich Kirchler, der sich seit Jahren mit der Bargeldpassion und ihren Ursachen im deutschsprachigen Raum beschäftigt.

„Wir wollen nicht bevormundet werden. Wir wollen Autonomie, wir wollen die Freiheit und Praktikabilität, die Bargeld bietet!“
Erich Kirchler, Wirtschaftspsychologe

Wir Deutschen befürchten vor allem einen Kontrollverlust, würde das Bargeld durch bargeldlose Bezahlmethoden ersetzt werden. Diese Befürchtung drückt sich nach Ansicht des Wirtschaftspsychologen in zweierlei Gesichtspunkten aus.
Zum einen könnte Kontrollverlust bedeuten, dass die Bürger vom Staat oder den Banken kontrolliert werden können. Diese Kontrollangst ist laut Kirchler ein maßgeblicher Motor gegen die Abschaffung von Bargeld. Der zweite Punkt sei, dass Bargeld einen „begreifbaren“ Wert in der Hand darstelle. Man habe seine Ausgaben und Einnahmen konkret vor Augen und hat damit die Kontrolle darüber.

Gibt es auch Gründe, die in der deutschen Geschichte liegen?
Ich glaube das fest! In den letzten 100 Jahren gab es zwei Weltkriege, zwei Währungsreformen, die Negierung der Ostmark durch den Zusammenschluss beider deutschen Staaten und damit ein verstärktes Geschichtsbewusstsein mit damit verbundenen Ängsten, die in den jüngeren Generationen allerdings kontinuierlich abnehmen.

Jugend forsch(t)

Eine Studie der Deutschen Bundesbank vom 14. Januar 2021 zeigt die Nutzung von Mobile Payment an der Ladenkasse. Von den 5.022 Befragten aus allen Altersgruppen besitzen 84 % ein Smartphone, an der Kasse gezahlt haben damit …

%

in der Altersgruppe

22%

18 – 27 Jahre

23%

28 – 34 Jahre

15%

35 – 44 Jahre

12%

45 – 54 Jahre

9%

55 – 64 Jahre

5%

über 65 Jahre

Bisher war die Neigung, bargeldlos zu zahlen, primär eine Generationenfrage. Die Jüngeren zückten deutlich freigiebiger Kredit-/EC-Karte oder ihr Smartphone, während sich Ältere schwer damit taten.

In der gesamten EU wird der elektronische Zahlungsverkehr großflächig als sichere und schnelle „Hygienemaßnahme“ beworben. Von der Tatsache, dass es keine Beweise für ein von Münzen und Geldscheinen ausgehendes, nennenswertes Ansteckungsrisiko mit z.B. Coronaviren gibt, lässt sich die EU-Kommission nicht beirren. Die Pandemie zeige, wie praktisch das bargeldlose Zahlen ist, heißt es bei der Brüsseler Behörde.

Deshalb werde die EU es künftig auch noch mehr fördern. Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat die Digitalisierung und das bargeldlose Zahlen gleich nach dem Klimaschutz zu einer Top-Priorität erklärt.

Was ist mit dem Datenschutz?

Auf Seite der Kunden sehen Experten wie Oliver Hommel vor allem Probleme beim Datenschutz, besonders bei Bezahlversionen mit dem Smartphone, bei denen man die PIN während des Bezahlens nur im Handy eingibt. Dies betrifft vor allem die Technik der sogenannten Nahfeldkommunikation (NFC). Bisher kommt diese Technik vor allem bei kontaktlosen Zahlungen kleinerer Beträge zum Einsatz. Von Tankstellen bis Discounter sind inzwischen viele Geräte für das Kartenzahlen auch mit NFC-Lesegeräten ausgestattet. Um das Handy mit dem Gerät zu verbinden, muss man sich lediglich eine App herunterladen. Beim Bezahlen mit dem Mobiltelefon bildet Deutschland im internationalen Vergleich das Schlusslicht!

Bargeld ohne Zukunft?

Technisch wäre eine Welt ohne Bargeld inzwischen problemlos möglich. Trotzdem hat das Bargeld weiter seine Existenzberechtigung und wird für die Verbraucher auch künftig eine wichtige Rolle spielen.

Ich halte die vollständige Abschaffung des Bargeldes in den nächsten Jahren weder für sehr wahrscheinlich, noch für wünschenswert. Wir Bürger sollten frei darüber entscheiden können, ob wir Bargeld oder andere Systeme nutzen.

In einer ferneren Zukunft werden die Deutschen und die Bürger der anderen EU-Länder mit großer Mehrheit auf Bargeld verzichten wollen. Insbesondere hier in Deutschland dürften die gesellschaftlichen Widerstände gegen eine solche Revolution derzeit noch erheblich sein.

Uwe Bauer | Hallo Krypto!
Uwe Bauer
Über den Autor

Uwe Bauer hat das große Ganze im Blick, die gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen von Bitcoin & Co. in der heutigen Zeit sind sein Metier. Mit klaren Blick und scharfem Verstand sorgt er dafür, dass Hallo Krypto! trotz all der Bäume nie den Wald vergisst.

Uwe war 50 Jahre in der Druck- und Medienindustrie tätig, davon über 30 Jahre in leitender Funktion. Er ist seit vielen Jahren als selbständiger Unternehmensberater erfolgreich.

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