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Psycho-Rollercoaster – bist du bereit für den Kryptoride?

Der menschliche Verstand ist nicht für Börsen gemacht, der Einfluss unserer Emotionen ist viel zu stark. Irrationale Effekte vermischen sich mit kalter Analytik zu einer eigentlich unbeherrschbaren Gemengelage. Es treffen noch dazu Marktteilnehmer aufeinander, die gegenläufige Interessen und unvergleichbaren Einfluss haben – der kleine Privatanleger tritt gegen institutionelle Akteure mit nahezu unbegrenztem Kapital an, es wimmelt nur so von Shortsellern, Heuschrecken und Hedgefonds. Kapitalismus de luxe.  

All das ist bestens geeignet, uns Menschen emotional zu triggern. Verzweiflung, Angst, Euphorie, Freude, Trauer, … – was ihr wollt, es kommen alle mal vor. Wie aber damit umgehen?

Am Ende sind wir mit unseren Gefühlen allein. Jede Information, die uns erreicht, wird von unserem inneren Ich anhand unserer subjektiven Muster bewertet, egal wie objektiv sie eigentlich ist. Eine sehr kalte Temperatur kann uns dazu bringen, körperlich zu frösteln – schon als Reaktion auf die reine Kenntnisnahme der Ziffer, noch nicht mal, weil wir der Kälte ausgesetzt sind. Es genügt, sich die Kälte vorzustellen. Diese menschliche Kraft, das Vorstellungsvermögen, sitzt tief in uns, es ist Teil unserer Natur. 

Vom Feeling her ein gutes Gefühl?

Lasst uns einen kleinen Ausflug in die Psychologie machen, wobei wir zwangsläufig an der Oberfläche bleiben werden und auch nicht zu akademisch werden.

Gefühle sind quasi die Grundsuppe unseres Seins. Tiefer in uns angelegt sind nur noch die (Ur-)Triebe, mithin unsere psychologischen Reflexe, z.B. der mit dem Säbelzahntiger – du kannst jetzt sofort kämpfen oder rennen, nachdenken geht erst später wieder. Spannenderweise kann man seine Gefühle mit Gedanken beeinflussen – nicht zuletzt ist „Positives Denken“ ein beliebter Ansatz in der Eigenmotivation.  

Auf unsere Gefühle haben wir unsere Werte gepackt bekommen. Zuerst durch Prägung – was von unserem Umfeld, in aller Regel unserer engsten Familie und dabei insbesondere unseren Eltern, als gut/schlecht, gut/böse, heiß/kalt oder x/y bezeichnet wurde, hat unsere Wahrnehmung geprägt. Wir haben die Einordnung quasi ungefragt übernommen.

Dann kamen Erfahrungen dazu, die heiße Herdplatte, der Stromschlag, die Beule – unsere Erfahrungen haben unsere Wahrnehmung geschärft und die Welt um uns herum noch stärker bewertbar gemacht – dies ist spitz, das ist nass, jenes tut weh. Später haben wir den körperlichen Erfahrungen theoretisch gerlernte Einordnungshilfen und Begriffe an die Seite gestellt – unsere Wertesysteme definieren seitdem unsere Wahrnehmung der Welt. 

Transformationstherapie nach Robert Betz

All das ist erforderlich, um uns und unser Tun im Kontext wahrnehmen können – zum Beispiel um vorher zu wissen, dass jemand schneller laufen oder länger die Luft anhalten kann, um nicht so viele Murmeln zu verlieren. Oder eben generell gesprochen, um die Risiken einzuschätzen, die immer und bei allen unseren Handlungen entstehen. 

Riiiiiiisiiiikooooo!

Alles, was wir tun, birgt in irgendeiner Form die Möglichkeit des Scheiterns – es ist nun die Frage von Wahrscheinlichkeiten und der Bereitschaft, bei Eintritt der Wahrscheinlichkeit Opfer zu bringen. Was bin ich bereit, zu verlieren oder zu erdulden, welchen Schmerz bin ich bereit, zu ertragen? Für welche (potenzielle) Belohnung auf der anderen Seite? Ist das Verhältnis von Risiko und Ertrag ausgewogen?

Womit wir quasi wie von selbst bei Börsen und Kryptowährungen wären. Was im Leben gilt, gilt an der Börse umso mehr und ist, um Faktor X verstärkt, auch auf den Handel mit Kryptowährungen zu übertragen.

An der Börse sind 2 mal 2 niemals 4, sondern 5 minus 1. Man muss nur die Nerven haben, das minus 1 auszuhalten.

André Kostolany (*1906 – 1999), Börsen- und Finanzexperte, Schriftsteller und Journalist

Dieses Aushalten ist es, das uns so herausfordert. Denn wir als Kleinanleger haben keinerlei Kontrolle über das, was an den (Krypto-)Börsen passiert. Wir können die Wertentwicklung unserer Anlagen nicht beeinflussen – außer vielleicht, es sind so gering kapitalisierte Assets mit derartig niedrigen Volumen, dass auch unsere kleine Einlage oder Entnahme bereits den Kurs bewegt – ob das Asset dann eine gute Wahl ist, lasse ich mal dahingestellt.

Im Kryptomarkt fallen Bewegungen noch dazu um einen gefühlten Faktor 5 (Bitcoin) oder sogar Faktor 10 (Altcoins) stärker aus als im bekannten Aktienmarkt. Wenn ein Kurs sich bei einer Aktie um 1% bewegt, holt das in der Regel noch niemanden hinter dem Ofen hervor – bei Kryptowährungen gilt das Gleiche für Bewegungen von 5% bzw. 10%, eigentlich ganz normal soweit. Klar, eine Bewegung, aber nicht weiter beunruhigend. Zum beachtenswerten Event wird es erst bei mehrmaligen oder deutlich stärkeren Ausschlägen. Dennoch neigt man als Betrachter dazu, weil von jeher gelernt, bei der Bewertung der Moves die Skala von Aktien gleichlautend auch auf den Kryptomarkt anzuwenden. 

Wenn es Liebe ist – je Neugier, desto Zoom. 

Eine böse Falle unseres Verstandes ist, dass wir bei Dingen, die uns interessieren, näher ran gehen, immer stärker reinzoomen. In Kursbetrachtung übertragen bedeutet das, dass wir von Tagescharts auf 4-Std.-Charts oder 1-Std.Charts gehen, uns teilweise auf eine 15-Minuten- oder 1-Minuten-Skala fokussieren – bis hin zu Realtime-Sekunden-Kursen. Das ist für diverse Trading-Strategien durchaus wichtig oder erfoderlich und daran ist nichts verwerfliches. Für den eigentlich mit einem langfristigen Horizont agierenden Investor, der einfach zu sehr in das Asset verliebt ist, ist ein solcher Blick mit dem Vergrößerungsglas aber nicht immer schlau. 

Was im 1-Stunden-Chart bedrohlich aussieht, kann man im Tagescharts am Ende vielleicht nicht mal mehr als Auffälligkeit sehen. Auch bedeuten kurzfristige Trends und Effekte nicht zwangsläufig auch, dass übergeordnete Trends nicht mehr gültig sind – von Zyklen mal ganz abgesehen. In unserer Hallo Krypto!-Telegram-Gruppe hat unser Autor Thomas aka DecenTrade das unlängst sehr treffend formuliert: 

Es gilt „When In Doubt – Zoom Out“. Das bezieht sich dabei nicht nur auf die Skalierung, sondern auch auf den betrachteten Zeitraum. Ein Beispiel anhand eines Stunden-Charts, hier dem Bitcoin-Chart am 21.01.2021 um 09:39 Uhr MEZ. 

Wir sehen, dass es eine Seitwärtsbewegung gibt, die schon länger anhält und sich in einem zuspitzenden Kanal bewegt. Die obere blaue Linie markiert das letzte Allzeithoch, von dem die Bewegung her losgelaufen ist, die beiden roten Linien illustrieren den Kanal und zeigen auch, dass es eigentlich eher seitwärts geht, denn der Kurs markierte vor anderthalb Wochen noch tiefer.

Der insgesamt übergeordnete Trend zeigt allerdings, dass es sich hier tendenziell um eine Konsolidierung handelt – gut zu sehen, wenn man mal einen Monat betrachtet:

Beim erneuten Rauszoomen (und der Umstellung auf Tageskerzen) wird deutlich – die Konsolidierung ist nach einer lang anhaltenden Steigung durchaus gesund – der Kurs hat sich binnen zwei Monaten mehr als verdoppelt:

Sieht also eigentlich gar nicht so schlecht aus, oder?

Hab ich doch schon immer gesagt!

Soso, sieht also gar nicht nicht so schlecht aus? Es ist zu merken, der Autor sucht nach Bestätigung seiner vorherigen Aussagen und interpretiert die Charts so, dass sie seine Argumentation unterstützen. Der Fachbegriff ist Confirmation Bias – sehr interessant und natürlich nicht nur für Kurse gültig. Unser Gehirn sucht bei der Interpretation von Informationen von sich aus eher nach einer Bestätigung der eigenen Meinung, aber nicht nach Widerspruch – dazu muss der Nutzer des Gehirns schon mit bewusstem Denken anfangen und aktiv beginnen, nachzudenken und die eigene Meinung zu hinterfragen.

Denn: ist im gleichen Chart nicht auch zu erkennen, dass der Kurs gerade dabei ist, den beschriebenen Kanal nach unten zu verlassen? Ist das nicht ein bearishes Signal? Male ich die Welt hier zu schön? Und siehe da – kaum eine halbe Stunde später ist es auch passiert:

Zack, Linie überschritten, Kurs hat unterhalb der Linie geschlossen. Na klar, das war zu diesem Zeitpunkt alles noch nicht von Folgekerzen bestätigt – die Charts dienen hier aber auch nicht als technische Analyse des Bitcoin an sich, sondern zur Illustration der psychologischen Effekte. 

Dass solche psychologischen Effekte nicht nur bei der Interpretation von Charts greifen, sondern insbesondere auch unsere Entscheidungen beeinflussen, ist nur logisch. Daraus ist im Börsen-/Tradingkontext eine eigene Fachrichtung entstanden – Behavioural Finance, ein Bereich, dem sich Decentrade in seinem Projekt Trade. Market. Mind. widmet:

We proudly feature ....

Trade. Market. Mind.

Unser Blog-Autor Thomas, auch bekannt als Decentrade, beschäftigt sich in seinem Projekt Trade. Market. Mind. auf Medium den Themen Behavioral Finance und Tradingpsychologie - dem Einfluss von Gefühlen auf Markt und Trader.

Schaut doch mal bei ihm vorbei: 

>> Trade. Market. Mind. <<

Wir wissen nun, dass unser Gehirn nicht immer der beste Ratgeber ist. Es denkt nicht freiwillig kritisch nach, denn das würde Energie verbrauchen, was evolotionsbiologisch betrachtet nicht die beste Wahl ist. Denken muss man tatsächlich wollen, Denken ist anstrengend, Denken wirft Fragen auf und macht das Leben irgendwie kompliziert – worin auch die Antwort auf die Frage liegt, warum es manchen so schwer fällt.

Fazit: Es kommt auf dich selbst an!

Im Kryptoumfeld ist Denken (Mitdenken, Nachdenken, Vordenken, aber bitte nix ausdenken) zwingend erforderlich. Ebenso, wie es notwendig ist „das große Ganze“ zu sehen und nicht nur den aktuellen Moment. Wichtig ist die Einordnung des Moments in den Gesamtkontext.

Dazu muss man sich seine Ziele kennen, seinen Anlage-/Zeithorizonts, sich klar gemacht haben, was man eigentlich will und wann. Zusätzlich sollte man sich seiner Selbst bewusst sein, der eigenen Veranlagung – bin ich eher risikofreudiger Zocker und habe Spaß am Trading. oder bin ich risikoaverser Anleger, für den Kryptos und ihre Volatilität an sich schon zu spukig sind? 

Wenn du mit dir im Reinen bist und weißt, was du willst, wirst du erfolgreich agieren und auch mit Hindernissen besser umgehen können.

Über den Autor

Rolf Leder wurde 1972 in Hamburg geboren, wohnt aber seit rund 10 Jahren in der Nähe von Karlsruhe. Er ist einer der Gründer von Hallo Krypto! und geschäftsführender Gesellschafter der QualitiKs GmbH, einer Unternehmensberatung im Customer Service- und IT-Umfeld.

Rolf sorgt als Unterehmensberater hauptberuflich dafür, dass bei IT-Projekten die Anwender, die Fachanforderer und die IT eine gemeinsame Sprache finden. Mit Bitcoin, Kryptowährungen und der Blockchain-Technologie beschäftigt er sich seit 2016/17, zuerst aus privatem Interesse, seit 2019 gibt er sein Wissen in den Hallo Krypto!-Workshops weiter.

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