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Die EZB lehnt Bitcoin als Währung ab. Kommt stattdessen der digitale Euro?

Während Kryptowährungen (wie Bitcoin und Ether) boomen, arbeitet die Europäische Zentralbank (EZB) an einer Einführung des digitalen Euros. Laut EZB-Chefin Christine Lagarde müsse die EZB darauf vorbereitet sein, auch digitale Euros auszugeben, um fit für die Zukunft zu sein. Die Entscheidung zur Einführung soll noch Mitte dieses Jahres fallen.

Mögliche Vorteile einer digitalen europäischen Zentralbankwährung könnten eine höhere finanzielle Stabilität, eine höhere Sicherheit und Effizienz im Zahlungsverkehr sowie ein besserer Automatisierungsgrad von Geschäftsprozessen sein. Das Risiko könnte, aus Sicht der Geschäftsbanken, eine Reduzierung der Bedeutung von bestehenden Banken sein.

Zentralbanken zeigen mehr als nur Interesse 

Die Anfang des Jahres veröffentlichte Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zeigt, dass aktuell 70% aller weltweiten Zentralbanken die Ausgabe einer eigenen digitalen Zentralbankwährung untersuchen. 10% dieser Zentralbanken planen, innerhalb der nächsten ein bis drei Jahren eine digitale Währung einzuführen, binnen sechs Jahren sogar 20%. Es zeigt sich damit, dass immer mehr Zentralbanken sich intensiv mit dem Thema beschäftigen und es nur eine Frage der Zeit ist bis die ersten Central Bank Digital Currencies (CBDCs) auf den Markt kommen.

Fabio Panetta, EZB Direktoriumsmitglied und Vorsitzender der Taskforce zu digitalen Zentralbankwährungen, wies bereits auf den Vorteil hin, „dass ein digitaler Euro dem kontinuierlichen Innovationsstreben in Europa weiteren Vorschub leisten wird und zu mehr finanzieller Souveränität des Euros führt und ihm noch mehr Gewicht verleihen würde.“ Damit reagiert die Notenbank auf die zahlreichen neuen Formen des Bezahlens, von denen der Bitcoin und die von Facebook angekündigte „Libra“ die spektakulärsten sind. Aber wie eben erwähnt setzen auch andere Notenbanken die Europäer unter Druck. China ist bei der Entwicklung eines digitalen Yuan weit voraus, auch die schwedische Zentralbank bastelt an einer digitalen Krone.

Geschäftsbanken sind nicht unbedingt begeistert

Bei den Geschäftsbanken treffen die Pläne bisher aber eher auf Zurückhaltung und Kritik. Einige fürchten, dass ihnen „die Felle davon schwimmen,“ sollte der digitale Euro bei der Bevölkerung wegen der vielen Vorteile und Sicherheiten zum Renner werden und sie ihr Erspartes in die virtuelle Gemeinschafts-währung umschichten. Für die Banken „fiele eine wichtige Finanzierungsquelle weg, wenn die Bürger ihre Bankguthaben in digitale Euros umtauschen“ sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Er rechnet vor: Privatleute und Unternehmen hielten im Euro-Raum auf den Girokonten ihrer Geschäftsbanken knapp 7.300 Milliarden Euro. „Wenn sie das im Extrem vollständig auf EZB-Konten überwiesen, würden die Banken fast ein Viertel ihres Fremdkapitals verlieren.

Seit der Einführung des Bitcoin 2008 und danach folgender weiterer Krypto-Währungen und der immer noch weiter durchdringenden Digitalisierung der Gesellschaft ist eine neue Welle von Zahlungsprojekten entstanden, die ungeahnte Möglichkeiten aufzeigen.

Digitale Zentralbankwährungen könnten als Reaktion des öffentlichen Sektors auf diese privaten progressiven Zahlungsmethoden angesehen werden, um die vorherrschende Rolle der Zentralbanken der Zukunft zu sichern. Zwischen diesen Projekten des privaten und öffentlichen Sektors bestehen vielfältige Wechselbeziehungen. Private Unternehmen bieten auf der Basis der neuen Technologien innovative Währungen und Zahlungsformen an. Notenbanken und Regierungen werden dadurch angetrieben selbst neue Zahlungsmittel zu entwickeln bevor private Alternativen entstehen, auf die sie keinen Einfluss mehr haben.

Wie entwickelt sich das Geldsystem im Rahmen des aktuellen Innovationsschubs weiter? Mit Bitcoin wurde erstmals ein dezentrales digitales Zahlungsmittel entwickelt, bei dem Transaktionen nicht durch eine Bank bestätigt werden, sondern von einem dezentralen Netzwerk von Computern. Damit hat sich mit Bitcoin ein paralleles privates Zahlungsmittel entwickelt, das in den letzten Jahren enorm viel Zuspruch erfahren hat und weiter dynamisch an Nutzung und Wert gewinnt. Mit Bitcoin wurde die Machbarkeit aufgezeigt und etabliert, dass Geld unabhängig vom konventionellen zweistufigen Bankensystem eingeführt werden kann. In der Konsequenz könnte Bitcoin im Falle von systemischen Problemen bei Fiat-Währungen wie z.B. dem US-Dollar eine besondere Relevanz bekommen.

Bleibt da nicht als Antwort nur der Digitale Euro, aber in Koexistenz mit Bitcoin?

An die Politik gerichtet ergeben sich daraus folgende Aufgaben: Die EU-Länder und die Kommission sollten sich geschlossen für einen digitalen Euro einsetzen und das Thema vorantreiben. Dazu müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen für den digitalen Euro beschlossen und umgesetzt werden. Wichtig ist, das digitale Verständnis der Bevölkerung bezüglich eines digitalen Euros zu stärken.

Sollte eine CBDC-Einführung mittelfristig nicht gelingen, droht der Euro an Wettbewerbsfähigkeit und Bedeutung zu verlieren.

Wenn aber die EZB den eEuro als digitales Bargeld einführt, ist eine breite Nutzung als Zahlungsmittel sehr wahrscheinlich. Damit würde der CBDC auch als gesetzliches Zahlungsmittel gelten.

Ich bin gespannt, wie die EZB-Entscheidung Mitte des Jahres ausfällt, zumal eine Garantie zum bisherigen Bargeld ja schon erfolgt ist. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass Bargeld, auch getrieben durch die immer größere Verbreitung von digitalen Bezahlmethoden infolge der Pandemie, in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung verlieren und eine CBDC-Einführung damit ohnehin unumgänglich wird.

Vergesst nicht die Menschen!

Dass mit der Einführung von CBDCs ein umfassendes Bildungsangebot für die Bevölkerung und hier im Besonderen für die ältere Generation notwendig wird, sollte jedem Verantwortlichem klar sein. Sollte? Muss!

In Zeiten finanzieller und politischer Unsicherheit denken wir Menschen allerdings vermutlich nicht nur an Nutzerfreundlichkeit und Rendite. Solange „nur“ Zweifel hinsichtlich der Liquidität des Bankensystems bestehen, wird physisches und digitales Zentralbankgeld als sicherer Hafen wahrgenommen, bis die Krise überwunden ist.

Geht jedoch das Grundvertrauen in die monetäre und politische Stabilität verloren, ist digitales Bargeld auch nur eine staatliche Währung. Um sie zu umgehen, müssten und würden sich die Verbraucher privaten Kryptowährungen zuwenden.

Uwe Bauer | Hallo Krypto!
Uwe Bauer
Über den Autor

Uwe Bauer hat das große Ganze im Blick, die gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen von Bitcoin & Co. in der heutigen Zeit sind sein Metier. Mit klaren Blick und scharfem Verstand sorgt er dafür, dass Hallo Krypto! trotz all der Bäume nie den Wald vergisst.

Uwe war 50 Jahre in der Druck- und Medienindustrie tätig, davon über 30 Jahre in leitender Funktion. Er ist seit vielen Jahren als selbständiger Unternehmensberater erfolgreich.

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