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Kann der Bitcoin den US-Dollar als Leitwährung ersetzen?

Es häufen sich zunehmend kritische Kommentare zur Rolle des US-Dollars als Leitwährung auf den internationalen Märkten. Diese begründen sich aus Zweifeln an der Wertstabilität des Dollar sowie der Erwartung, dass die USA zukünftig ihre wirtschaftliche und politische Vormachtstellung verlieren könnten. Dabei ist allerdings nicht offensichtlich, welche Währung das Potential hat, den Dollar in seiner Funktion als Leitwährung zu ersetzen.

Was ist überhaupt eine Leitwährung?

Eine Leitwährung zeichnet sich dadurch aus, dass sie als international wichtigste Transaktions-, Anlage- und Reservewährung fungiert. Hierzu muss sie uneingeschränkt in andere Währungen konvertierbar und in ausreichendem Maße global verfügbar sein, um der weltweiten Liquiditätsnachfrage entsprechen zu können. Daher sollte das Leitwährungsland über offene, tiefe und gut entwickelte Finanzmärkte verfügen.

Um das Vertrauen und die internationale Akzeptanz als Anlage- und Reserve-Währung zu gewährleisten, muss das Leitwährungsland zudem die innere Wertstabilität der Währung durch eine nachhaltig auf Preisstabilität ausgerichtete Geld- und Finanzpolitik sicherstellen und eine bedeutende wirtschaftliche und politische Rolle in der Weltwirtschaft spielen.

US-Dollar im Taumel, wohin führt der Weg?

Die Welt steckt in der Krise und mit ihr in starkem Maße der US-Dollar. Geht die jahrelange Dominanz zu Ende? Die seit langem anhaltende Abwertung gegenüber Euro und Yen schürt immer mehr Zweifel an der Stabilität der US-Währung.

Der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff rechnet für die USA mit Inflationsraten von 5-6% in den nächsten Jahren. Um die Schuldenlast zu reduzieren, sei dies die politisch opportunste Lösung! Die nächste Krise ist damit allerdings schon vorprogrammiert, da China mit dem höchsten US-Dollar Währungsbestand aller  Voraussicht nach nicht mehr zur Finanzierung der wachsenden Schulden in den USA bereit sein wird. Somit wächst der internationale Druck auf den Dollar weiter. Nicht nur in China wünscht man sich einen Wechsel, auch in Russland und Europa hört man lauter werdende Rufe nach einer neuen, multipolaren Weltwährungsordnung.

Die Corona-Pandemie und damit die wachsende Verschuldung von öffentlichen und privaten Haushalten sowie insbesondere die hohe Auslandsverschuldung der USA geben Anlass zu großer Sorge.

Aus meiner Sicht scheint absehbar, dass der US-Dollar aus den dargelegten Gründen als Leitwährung abgelöst werden wird. Allerdings profitiert er derzeit von positiven Netzwerkeffekten durch die Pandemie, die jede Leitwährung stabilisieren. Das wird das Ende nur verzögern, aber nicht verhindern. Weniger klar ist, wie es dann weitergehen wird. Welche Währung oder welche Währungskonstruktion beerbt den US-Dollar und wann vollzieht sich der Wechsel?

Wenn nicht der Dollar, wer dann?

Der Euro hat aufgrund seiner Stabilität und der Größe des Euroraumes gute Chancen, als Reservewährung langfristig gegenüber dem Dollar an Bedeutung zu gewinnen. Gegen eine Leitwährung Euro sprechen allerdings die vorhandene wirtschaftliche und politische Heterogenität sowie die strukturellen und demographischen Probleme der Teilnehmerländer des Euroraumes. Der Euro ist also mit einer großen Unsicherheit behaftet.

Ein weiterer Kandidat ist der chinesische Yuan. Um die Rolle der Leitwährung übernehmen zu können, müsste die chinesische Volkswirtschaft jedoch wesentlich stärker globalisieren. Neben einer Vertiefung und Liberalisierung der chinesischen Kapitalmärkte ist vor allem die freie Konvertibilität des Yuan eine notwendige Voraussetzung für seine internationale Verwendung als Reserve- und Leitwährung.

Spricht da nicht vieles für eine supranationale Währung wie Bitcoin?

Der Vorteil dieser Weltwährung wäre die Unabhängigkeit von Volkswirtschaften und deren Einflüssen auf die Währungspolitik. Diese Vielzahl an Akteuren steht zugleich für das politische Problem des bisherigen Systems. Gleichzeitig bietet Bitcoin die Chance auf eine wirkliche Gleichberechtigung aller teilnehmenden Staaten.

Kann hier nicht sogar der ewige Menschheitstraum nach Frieden erfüllt werden? Warum sollten Staaten gegeneinander Kriege führen, um ihr Machtmonopol zu vergrößern und von den eigenen innerstaatlichen Problemen abzulenken?

Die Globalisierung macht eine Weltwährung einfach notwendig. Im Grunde benötigt man eine Verständigung auf relevante Ziele und Spielregeln. Da es mit der Globalwährung für alle Staaten eine Gleichberechtigung gäbe, könnte die bisherige Ungleichheit beseitigt werden.

Ein wesentlicher Fürsprecher für die Nutzung einer Cyberwährung als Leitwährung ist auch die technologische Entwicklung, insbesondere die Blockchain. Die Blockchain-Technologie und insbesondere der Bitcoin als existente Währung bieten die Grundlage für einen fairen, sicheren und fälschungs- und zensurresistenten Welthandel.

Die Blockchain ist eine ganz spezifische Variante eines Clearingsystems, u.a. im Zahlungsverkehr. Die Anwender verzichten auf die bisherigen Korrespondenz-Bankketten, sie wickeln ihre Überweisungen unter Verwendung der Blockchain direkt ab. In einer Bitcoin-Volkswirtschaft gibt es keine Institution, die beliebig das Geldangebot oder einen Zinssatz anpassen kann. Die Blockchain ist ein dezentrales Netzwerk, das keinen Eingriff auf die Anzahl der Bitcoins erlaubt. Die feste Obergrenze von 21 Mio. Bitcoins macht eine manipulative Geldpolitik im bisherigen Sinne unmöglich.

Bitcoins sind der erste erfolgreiche Versuch, eine wirklich unabhängige Kryptowährung zu etablieren. Die zunehmenden Transaktionen zeigen, dass die Funktionen von Geld erfüllt werden und somit die Voraussetzungen für die Nutzung als Währung erfüllt sind. Die algorithmische Struktur des Bitcoin zeigt die Komplexität des dezentralen Netzwerks auf. Die Geldschöpfung, das Mining, wird durch die feste Obergrenze von 21 Mio. Bitcoins begrenzt. Durch diesen Mechanismus wird eine inflationäre Geldentwertung vermieden.

Es passiert aktuell sehr viel in Sachen Akzeptanz und Adaption.

Das neue Rekordhoch des Bitcoin bei rund 61.000 US-Dollar folgte auch auf die Meldung, dass Tesla für 1,5 Milliarden US-Dollar Bitcoins erworben hat. Ende Februar erklärte zudem BNY Mellon, die älteste Bank der USA, künftig Bitcoins für Kunden zu führen. Diverse weitere Banken, PayPal, VISA und insbesondere die großen Kapitalverwaltungsgesellschaften wie BlackRock, wenden sich der Digitalwährung zu.

Hinter der rasant wachsenden Akzeptanz von Bitcoin, Ethereum und anderen Kryptowährungen, die ebenfalls neue Rekorde markieren, könnte genau diese langfristigen Entwicklungen stehen, die unser bisheriges Finanz- und Wirtschaftssystem nachhaltig verändern wird.

Uwe Bauer | Hallo Krypto!
Uwe Bauer
Über den Autor

Uwe Bauer hat das große Ganze im Blick, die gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen von Bitcoin & Co. in der heutigen Zeit sind sein Metier. Mit klaren Blick und scharfem Verstand sorgt er dafür, dass Hallo Krypto! trotz all der Bäume nie den Wald vergisst.

Uwe war 50 Jahre in der Druck- und Medienindustrie tätig, davon über 30 Jahre in leitender Funktion. Er ist seit vielen Jahren als selbständiger Unternehmensberater erfolgreich.

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