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How-To: Gewinne mitnehmen

Von Buchgewinnen, also dem schönen hohen Depotstand allein kann man sich nichts kaufen. Ab und an ist es sinnvoll und im Sinne einer ausgewogenen Anlagestrategie auch erforderlich, Gewinne mitzunehmen. Also in anderen Worten: einen kleinen oder großen Teil seines Investments zu verkaufen.

Im Rahmen der neuen Hallo Krypto!-Reihe „How-To: ….“ gehen wir auf spezifische Fragestellungen ein, geben Tipps und Hinweise und wollen mit Impulsen zum Nachdenken anregen. Das heutige How-To beschäftigt sich mit dem Thema „Gewinne mitnehmen“.

Am Anfang steht: Der Plan!

Die eigentliche Frage der Fragen ist: wann verkaufen? Den Markt zu timen ist eine Wissenschaft für sich – manche sagen auch, es sei reiner Zufall. So oder so, den richtigen Punkt zum Verkauf zu finden, ist genauso schwierig, wie den richtigen Einstand zu erwischen. Man kann sich als Investor mit einem sehr langfristigen Horizont natürlich entspannt zurücklehnen und einfach alle Hochs und Tiefs abreiten. Doch auch für Langfristinvestoren ist es genauso wichtig, wie für die Anleger mit kürzerem Zeithorizont: Was will ich eigentlich mit meinem Investment erreichen? Welches Risiko bin ich bereit, einzugehen – und welches nicht?

Ein probates Mittel ist ein Entnahmeplan, der festlegt, zu welchem Zeitpunkt genau wie viel wieder verkauft wird. Ein Beispiel:

Das ist Carl. Carl legt 1.000 Euro in einen Kryptowert an – der Einfachheit halber in 1.000 Stück XYZ zum Preis von 1,00 Euro. Sein Entnahmeplan hat im Prinzip nur drei Regeln:

    • bei 500% wird der Einsatz rausgenommen
    • bei jeder weiteren Verdopplung der Performance-Prozente (also bei 1.000, 2.000, 4.000, 8.000 Prozent usw.) werden 10% des Bestandes entnommen
    • … aber NUR, wenn der Erlös steuerfrei ist, die Haltedauer also mindestens 1 Jahr beträgt

Carl legt sich eine Tabelle an, denn er will genau wissen, wann er wie viel verkauft. Für die Tabelle gelten folgende Rechenregeln:

    • der prozentuale Gewinn wird immer vom Einstandskurs aus gerechnet – im Beispiel 1,00 EUR
    • hier wird auf 2 Nachkommastellen gerundet, auch wenn Kryptowährungen da durchaus mehr hergeben
    • im Beispiel werden irgendwelche Fees und Gebühren ignoriert (im echten Leben würde ich die vom Erlös einfach abziehen)
Bestand / VeränderungPerf. in %Preis in EURWert gesamt in EURVorgabe
1.000 Stück1,001.000,00 
1.000
– 166,67
= 833,33
500%6,006.000,00
-1.000,00
= 4.999,98

Bei 500% Einstand rausnehmen, also:
1.000 EUR / 6,00 EUR Preis = 166,67 Stück entnehmen

833,331.000%11,009.166,63 
833,33
– 83,33
= 750,00
  9.166,63
– 916,63
= 8.249,97
Bei 1.000% werden 10% des Bestandes entnommen, also 83,33 Stück.
750,002.000%21,0015.750,00 
750,00
-75,00
= 675,00 
  15.750,00
– 1.575,00
= 14.175,00
Bei 2.000% werden 10% des Bestandes entnommen, also 75,00 Stück.
675,004.000%41,0027.675,00 
675,00
– 67,50
= 607,50
  27.675,00
– 2.767,50
= 24.907,50
Bei 4.000% werden 10% des Bestandes entnommen, also 75,00 Stück.
 …… 

Bei dieser Taktik nimmt Carl nicht zu viel aus dem Investment raus, so dass er weder „die Henne mit den goldenen Eiern“ schlachtet“, noch an Hebelwirkung verliert. Trotzdem belohnt er sich auch und macht Kasse – im Beipiel oben hat Carl bei einem Investment von 1.000 EUR bereits einen Reingewinn von 5.259,13 EUR realisiert – und immer noch über 60% der Coins mit einem Buchwert von knapp 25.000 EUR „auf dem Tisch“.

Oft kommt bei diesem Beispiel der Einwurf, dass die Prozente dann doch etwas sehr hoch gegriffen seien. Klar, 4.000% muss man als Normalsparer erstmal verdauen. Dennoch: dies ist Kryptoland, da sind Vervielfachungen nicht so ungewöhnlich. Um auf 4.000%, also um von 1 EUR auf einen Preis von 41 EUR zu kommen, muss ein Wert sich nicht 41x verdoppeln (auch wenn unser Gehirn das gern so einfach rechnen würde). Es reichen 5,x Verdopplungen, da die Verdopplungszählung ja jeweils neu „beginnt“:

Einstand x 2 = 100% = einmal verdoppelt – von 1 auf 2
Einstand x 3 = 200% = zweimalige Verdopplung – von 2 auf 4
Einstand x 5 = 400% = dreimalige Verdopplung – von 4 auf 8
Einstand x 9 = 800% = viermalige Verdopplong – von 8 auf 16
Einstand x 17 = 1.600% = fünfmalige Verdopplung – von 16 auf 32
Einstand x 33 = 3.200% = sechsmalige Verdopplung – von 32 auf 64

Spätestens jetzt ist das kein so undenkbares Szenario mehr, oder? Veritas in numeris – die Wahrheit liegt in den Zahlen. 

Okay. Guter Plan. Dann los!

Die Gewinn-Bedingung ist erfüllt, wann also wenn nicht jetzt? Carl folgt dem Plan, sein Asset hat die Gewinnschwelle erreicht und er will den vorgegebenen Teil auscashen. Aber Moment – er hat den Coin erst vor 11 Monaten gekauft – was tun?

Naja, der Plan ist der Plan und der sieht vor, dass die Haltedauer von einem Jahr erreicht werden muss. Carl macht also nichts und wartet ab, bis das Jahr rum ist. 

Was ist, wenn der Coin an dem neuen Termin unter der Gewinnschwelle liegt? Carl wartet dann erneut ab, denn die Gewinn-Bedingung ist zu dem Zeitpunkt nicht erfüllt. Wenn der Wert deutlich drüber liegt oder z.B. sogar schon die nächste Schwelle erreicht hat, dann wird Schritt für Schritt vorgegangen – erst der Gegenwert des Einsatzes (hat den Vorteil, dass es dann weniger Coins sind, die rausgehen – es bleibt also mehr Hebelpotenzial), dann 10% des verbleibenden Bestandes für die nächste Schwelle und so weiter ….

Das geht ja gar nicht direkt in EUR – und jetzt?

Carl stellt fest, dass sein Asset bei seiner Börse – nehmen wir hier als Beispiel Binance*, weil es die größte Börse ist – nicht direkt in Euro gewechselt werden kann, sondern nur gegen BTC, ETH, BNB und USDT. 

In diesem Fall braucht Carl eine Transferwährung, um zunächst seine XYZ in diese Transferwährung zu wechseln und im zweiten Schritt diese dann in Euro. Das kostet zwar zweimal Gebühren, aber eine Entnahme ist ansonsten nicht möglich. 

Eine Transferwährung sollte zwei Bedingungen erfüllen:

  • sie muss direkt in Euro gewechselt werden können
  • sie sollte nicht gleichzeitig geHODLt werden

Punkt 1 ist klar, sonst wären ja weitere Wechsel notwendig (kann vorkommen, ist aber sehr selten). Warum aber sollte man die Transferwährung nicht HODLn? Das hat steuerliche Gründe – für die Transferwährung gelten ja auch Haltedauern und FIFO-Vorgaben – es kann also passieren, dass man zwar Coin XYZ steuerfrei in die Transferwährung tauscht, dann aber beim zweiten Tausch in Euro auf einmal einen steuerpflichtigen Gewinn erzielt – fiese Falle.

Carl hält BTC, ETH und BNB – wenn er die benutzen würde, würde dies seine steuerliche Kalkulation für diese Assets kaputtmachen. Aber Binance bietet auch das Paar USDT-EUR an und Tether hält Carl nicht. Warum auch, mit einem Stablecoin kann man nicht wirklich Geld verdienen, der will ja per definitionem stabil sein. Carl tauscht also XYZ gegen USDT und direkt hinterher USDT gegen Euro. Damit hat er nun zwei Transaktionen vorgenommen, die steuerlich einzeln bewertet werden:

  1. XYZ-USDT: steuerfrei, da über 1 Jahr gehalten
  2. USDT-EUR: es fällt Steuer fällt an, sofern denn ein Gewinn erzielt wurde – aufgrund der Kürze der Zeit zwischen den Transaktionen und der recht hohen Stabilität des Wechselkurses zwischen USDT und EUR ist dieser Erlös oder Verlust steuerlich i.d.R. zu vernachlässigen.
Damit ist die Entnahme fast beendet – fast, denn noch liegt das Geld auf der Börse.
 

Achtung: Geldwäsche-Regeln beachten!

Bevor Carl nun die Euros auf sein Konto überweist, schaut er sich nochmal an, wie viel er denn überweisen wird. Denn Carl weiß, dass es auch Geldwäsche-Regularien gibt, die seine Hausbank beachten muss.

  • Banken sind verpflichtet, bei Eingängen ab 10.000 Euro eine Meldung ans Finanzamt zu machen. Das passiert automatisch und ist ein alltäglicher Vorgang.
  • Überweisungen in oder aus dem Ausland (Binance hat sein Konto nicht in Deutschland!) ab 12.500 Euro sind ebenfalls meldepflichtig.

Manche Banken haben auch automatisierte Systeme im Einsatz, die Abweichungen „von normal“ aufspüren sollen. Wenn man also noch nie mehr als 200 Euro auf einem Konto hatte und auf einmal kommen da 9.999 Euro (was ja vom Betrag her schon verdächtig nah an der Meldeschwelle liegt!), kann es sein, dass die Bank den Eingang erstmal einfriert, um die Herkunft des Geldes zu klären. Das dürfen sie und müssen sie auch – wenn sie einen Verdacht haben und dem nicht nachgehen, könnten sie sich der Beihilfe zur Geldwäsche schuldig machen. Deshalb hat Carl beim ersten Mal, als er einen ordentlichen Betrag ausgecasht hat, vorher mit seinem Bankmenschen telefoniert. Sicher ist sicher.

Resümee: Follow the plan!

Natürlich sind Pläne nicht in Stein gemeißelt und für immer gültig. Es kann immer gute Gründe geben, einen einmal gefassten Plan anzupassen, etwas anders zu machen oder ihn auch einfach nur zu ignorieren. Aber dazu braucht es bitte mindestens mal einen guten Grund – ansonsten ist es ja von Beginn an sinnlos, überhaupt einen Plan zu machen. 

Ich hoffe, dieses kleine How-To hat euch gefallen. Gebt mir gern Feedback oder sendet mir auch eure Themenwünsche für die nächsten How-Tos.

Bis dahin, have fun & HODL on! 
Rollo

* Vorteil der Anmeldung über den Ref-Link http://binance.hallo-krypto.de: Sie erhalten dauerhaft 10% der Fees von Binance als Kickback zurück.

Über den Autor

Rolf Leder wurde 1972 in Hamburg geboren, wohnt aber seit rund 10 Jahren in der Nähe von Karlsruhe. Er ist einer der Gründer von Hallo Krypto! und geschäftsführender Gesellschafter der QualitiKs GmbH, einer Unternehmensberatung im Customer Service- und IT-Umfeld.

Rolf sorgt als Unterehmensberater hauptberuflich dafür, dass bei IT-Projekten die Anwender, die Fachanforderer und die IT eine gemeinsame Sprache finden. Mit Bitcoin, Kryptowährungen und der Blockchain-Technologie beschäftigt er sich seit 2016/17, zuerst aus privatem Interesse, seit 2019 gibt er sein Wissen in den Hallo Krypto!-Workshops weiter.

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