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Generationenthema „Digitales Geld“ – warum Bitcoin es bei Menschen 50+ so schwer hat

Das Neue hat in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Neue Informationen, neue Produkte, neue Aktivitäten, neue Fähigkeiten, neue Ideen, Veränderungen und Bewegungen geben den Takt an. Bleibt unsere Offenheit für Neues das ganze Leben konstant? Können wir das Älterwerden als Übergang von Wachstum zu Bewahrung definieren? Stimmt es, dass wir in der Jugend lernen, ausprobieren, erforschen wollen und im Alter nichts verlernen, eher bewahren und beschützen wollen? So betrachtet wird man alt, wenn man aufhört, sich für Neues zu interessieren!

Wie steht es mit der Zukunft der Offenheit im Alter?

Im Kern geht es dabei um Veränderungen von gesellschaftlichen Werten im demografischen Wandel und den Übergang von einer Welt, in der wir zu wenig Neues hatten, in eine Welt, in der wir zu viel Neues haben.

Dazu drei Thesen:

  • Unsere Gesellschaft wird älter und weniger experimentierfreudig.
  • Die Offenheit hält zukünftig länger an, als jemals zuvor.
  • In einer Gesellschaft des materiellen Überflusses wird das Neue weniger attraktiv.

Daraus ergibt sich, dass in einer älteren Welt Neuheiten langsamer angenommen werden. Da es aber die jungen Generationen sind, die gestalten, wogegen die älteren Generationen Bestehendes verwalten, müssen wir uns darauf einstellen, länger und immer wieder unsere Meinungen, Einstellungen und Verhaltensweisen anpassen.

Offenheit für Neues beschränkt sich demnach nicht mehr nur auf die Jugend, sondern breitet sich vermehrt über alle Altersgruppen aus. Weil die Durchdringung der Digitalisierung in der Gesellschaft alle Altersgruppen erfasst und damit die Notwendigkeit der kognitiven Wahrnehmung auch und gerade bei der Generation 50+ umso wichtiger ist, wenn man am Leben und Information weiter teilhaben will.

Wo liegen die Ursachen dafür, dass sich bargeldloses Zahlen, speziell für die ältere Generation, als nicht real anfühlt? Was für die jüngere Generation unvorstellbar ist: Bis in die 1950er Jahre wurden fast alle Geschäfte bar abgewickelt. Mieten und sonstige laufende Kosten wurden mittels D-Mark und Pfennig beglichen. Die Arbeiter standen wöchentlich und die Angestellten monatlich für ihre Lohntüte beim Arbeitgeber an und die Rentner am Monatsende am Postschalter. 

Der technische Fortschritt macht auch vor Geld nicht halt.

Erst mit der allgemeinen Ausweitung des Giroverkehrs nahmen in den 1960er Jahren elektronische Zahlungen sprunghaft zu. Damit etablierte sich erstmals künstliches, vom Rechner simuliertes Geld. Wieder später kamen Onlinebanking, Paypal und das kontaktlose Zahlen an der Kasse hinzu.

Die neueste Entwicklung sind nun die verschlüsselten Digitalwährungen wie Bitcoin! Damit wollen junge „Geldpioniere“ die mit dem Internet aufgewachsen sind, eine Online-Finanzwelt aufbauen, die ohne Bargeld und außerhalb des traditionellen Bankensystems funktioniert.

Geld ist faszinierend! Wir haben eine sehr komplexe psychologische Verbindung mit Geld. Es hilft uns, Vertrauen in ein Gut umzuwandeln. Auch wenn Geld an sich nur ein Stück Papier ist, haben wir alle entschieden, dass es einen Wert hat und gegen alles Mögliche umgetauscht werden kann. Dabei erlaubt es uns, Fremden zu vertrauen.

Diese für „Alte“ jahrzehntelange Erfahrung mit Bargeld macht es besonders schwer, sich mit den neuen Zahlungsmethoden und dem Digitalgeld anzufreunden. Erschwerend kommt hinzu, dass die „kognitiven Fähigkeiten“ im Alter nachlassen. 

In den letzten Jahren haben die Menge der zur Verfügung stehenden Informationen und das Allgemeinwissen drastisch zugenommen. Philosophisch könnte man sagen, dass die Menschheit vielleicht nicht viel mehr weiß, aber der Einzelne viel mehr wissen soll. Im Informationszeitalter sind dies durchweg Dinge, die nicht sehr natürlich und selbsterklärend sind. Dies liegt vor allem, an der durch die Technik hervorgerufenen nötigen Abstraktion der vorliegenden Information. 

Ein fauler Apfel ist eben leichter zu erkennen, als ein leerer Akku!

In welcher Beziehung stehen Geld und Zeit?

Die Zukunft fühlt sich für uns viel weiter weg an, als sie ist. Und plötzlich ist sie dann da. Je älter man wird, desto schneller fliegt die Zeit vorbei. Allerdings wird unsere Zeitwahrnehmung dann wieder langsamer, wenn wir sehr alt werden.

„Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit!“
Friedrich Schiller

Wenn man die Generations-Unterschiede bei Investitionen auf die Wahl von Bitcoin und Gold überträgt fällt auf, dass

  • junge Menschen mehr zu Bitcoin und
  • ältere Menschen immer noch zu Gold tendieren.

Und nun? Die menschliche Lebenserwartung steigt. Schon heute liegt der Anteil der über 65-jährigen in Westeuropa bei 21% und es wird vermutet, dass es bis 2060 etwa 33% sein werden. Ältere Menschen und ihre Entscheidungen haben somit einen immer größer werdenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einfluss.

Der Finanzsektor erlebt einen grundlegenden Wandel.

Zwei Haupttreiber sind dafür verantwortlich:

  1. Der technische Fortschritt ermöglicht nicht nur in der Industrie (durch 4.0) sondern auch im Finanzsektor vollkommen neue Geschäftsmodelle (z.B. Fintechs) und wird wohl einen tiefgreifenden Strukturwandel auslösen.
  2. Die globale Finanzkrise hat das Vertrauen in das Finanzsystem in Teilen erschüttert. Der Wunsch nach neuen Lösungen und Alternativen zu den etablierten Papiergeldwährungen ist offenkundig. Virtuelle Währungen wie Bitcoin sind eine unmittelbare Folge dieses Vertrauensverlustes.

Die staatlichen Institutionen wissen, dass durch die gesellschaftliche Durchdringung der Digitalisierung neue Konzepte auch in der Finanzbranche dringend notwendig sind.

Erfolgreich und bahnbrechend kann hier Europa, mit seinen ca. 300 Mio. Menschen, ein weltweiter Vorreiter zur offiziellen Einführung und Regulierung von Kryptowährungen werden. Wenn es gelingt, das von der EU-Kommission am 24.09. vorgelegte Papier zu beschließen und möglichst schnell umzusetzen. Die Kommission will mit der Verordnung einen echten Binnenmarkt für die digitale Währung schaffen. Und das wird höchste Zeit! 

Damit stellt die EU Kryptowährungen oder neue digitale Währungen auf ein geregeltes Fundament und bemüht sich um klare Vorgaben, die das Vertrauen   der Bevölkerung erhöhen werden. Damit wird auch gerade die 50+ Generation mehr Sicherheit haben, um selbst zu investieren.

In der Konsequenz bedeutet das …

Will man bei Älteren eine Investitionsbereitschaft bezüglich digitaler- bzw. Kryptowährung erreichen, kann das nur durch altersgerechte Aufklärung gelingen, bei der die gesellschaftlichen Auswirkungen ebenfalls eine Rolle spielen. Nur dann werden Ängste abgebaut und Vertrauen in Kryptowährungen wie Bitcoin geschaffen. In der Öffentlichkeit geben noch immer die Interessenvertreter und Lobbyisten des alten Systems in der Gesellschaft zu sehr den Ton an, was immer wieder zu weiterer Verunsicherung der Bevölkerung beiträgt.

Uwe Bauer | Hallo Krypto!
Uwe Bauer
Über den Autor

Uwe Bauer hat das große Ganze im Blick, die gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen von Bitcoin & Co. in der heutigen Zeit sind sein Metier. Mit klaren Blick und scharfem Verstand sorgt er dafür, dass Hallo Krypto! trotz all der Bäume nie den Wald vergisst.

Uwe war 50 Jahre in der Druck- und Medienindustrie tätig, davon über 30 Jahre in leitender Funktion. Er ist seit vielen Jahren als selbständiger Unternehmensberater erfolgreich.

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