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Geld, Währung, Wertspeicher, Coin, Token – ja was denn nun?

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Wer soll denn da noch durchblicken? Für Bitcoin, Ethereum, Tether und die ganzen anderen Kryptodinger kursieren alle mögllichen Bezeichnungen und Sammelbegriffe, aber so richtig klar scheint keinem zu sein, was nun richtig ist und was nicht. Dazu die Sprachbarriere – denn Mining ist kein Bergbau und Currency keine Währung. Oder doch? Oh Mann ….   

Die deutsche Sprache ist weltweit bekannt und berüchtigt dafür, dass man mit ihr alles exakt beschreiben und definieren kann. Deutsche Gesetze zum Beispiel gelten unter internationalen Juristen als beispielhaft präzise – es ist ganz klar, was erlaubt ist und was nicht. Nun kann man vortrefflich darüber streiten, ob das nun so stimmt oder nicht, zumal einem diesbezüglich sehr schnell der Begriff „Auslegungssache“ einfällt. 

Doch nicht nur in der Juristerei hat man Spaß mit dem deutschen Wortschatz. Jeder, der etwas übersetzen will, trifft auf unterschiedliche Worte für ein und dieselbe Sache, ob nun in der Quell- oder der Zielsprache. Ein Beispiel: das englische „Bag“ kann im deutschen „Tasche“, „Beutel“, „Tüte“ ode „Sack“ sein, aber auch …. seht selbst:

… und hier reden wir noch nicht mal über Fachterminologie. Mit der bekommt man es aber recht schnell zu tun, wenn man über Kryptos spricht. Die allermeisten Begriffe in diesem Zusammenhang kommen aus dem englischen Sprachraum, aber eben auch nicht alle.

In diesem Artikel nehmen wir uns ein paar der gängigsten Vokabeln der Kryptowelt vor und definieren, was genau gemeint ist und was genau eben nicht – immer mit einem leichten Augenzwinkern, weil auch diese Auslegung nur eine Auslegung ist. 

Geld, Währung, Zahlungsmittel – was davon ist Bitcoin?

Fangen wir bei den Überschriftsbegriffen an und zitieren zunächst aus den entsprechenden Artikeln auf wikipedia: 

Geld ist das in einer Gesellschaft allgemein anerkannte Tausch- und Zahlungsmittel

Im Hinblick auf seine physische Präsenz unterscheidet man Bargeld, das in Form von Münzen und Banknoten als Kassenbestand vorhanden ist und Buchgeld (bzw. Giralgeld), einem Zahlungsanspruch einer Nichtbank gegenüber einem Kreditinstitut auf einem Girokonto.

Das in der Währungsverfassung eines Staates als gesetzliches Zahlungsmittel bestimmte Geld bezeichnet man als Währung.

Link zu wikipedia

Eine Währung ist im weiteren Sinne die Verfassung und Ordnung des gesamten Geld­wesens eines Staates, die insbesondere die Festlegung des Münz- und Notensystems innerhalb des Währungsraums betrifft. Der Währungsraum ist dabei der Geltungsbereich einer Währung. Sie ermöglicht den Transfer von Waren und Dienstleistungen, ohne eine Gegenleistung in Form von anderen Waren und Dienstleistungen zu liefern.
[Anm. zum letzten Satz: Die Währung ist hier also ein Zahlungsmittel.] 

Als Währung oder Währungseinheit wird auch die vom Staat anerkannte Geldart (das gesetzliche Zahlungsmittel eines Landes) bezeichnet. In diesem Fall ist Währung dann eine Unterform des Geldes

Link zu wikipedia

Als Zahlungsmittel gelten im Zahlungsverkehr übertragbare, einheitliche und zählbare Wertträger, die als Gegenleistung (etwa beim Kaufvertrag) oder als Transferleistung (etwa bei der Schenkung) dienen.

Als Wertträger kommen entweder Geld oder geldähnliche Forderungsrechte (Geldsurrogate) in Frage. Zahlungsmittel dienen im modernen Zahlungsverkehr dem zahlungsverpflichteten Schuldner dazu, seinem Gläubiger die aus Vertrag oder Gesetz resultierende Geldschuld rechtswirksam zu tilgen. 

(Link zu wikipedia)

Schon bei diesen drei grundlegenden Begriffen fällt auf, dass sie sich gegenseitig referenzieren und aufeinander verweisen. In den einzelnen Texten ist dies fett dargestellt. Unter dem Strich kann man, denke ich, zusammenfassend sagen:

    • Geld ist allgemeingültiger Ersatz für den Wert einer Ware oder Dienstleistung.
    • Mit Geld als Zahlungsmittel kann ich eine Schuld begleichen.
    • Zahlungsmittel gehören nicht zwangsläufig einer Währung an.
    • Auch Geld muss nicht zwangsläufig zu einer Währung gehören.

Fazit: Bitcoin kann Geld und Zahlungsmittel sein, ist aber per definitionem keine Währung, da eine Währung einen Geltungsbereich hat, der wiederum staatlich festgelegt wird. Der Begriff Kryptowährung ist daher für Bitcoin und Co. eigentlich nicht korrekt. Wenn überhaupt, kann nur ein CBDC eine „rechtlich echte“ Kryptowährung sein.

Ist es trotzdem zulässig, Bitcoin als Währung zu bezeichnen?

Ja, und das liegt vor allem an der Herkunft der Kryptowährung #1 – das Bitcoin-Whitepaper wurde in englischer Sprache verfasst und bildet die Grundlage für den sich im Anschluss gebildet habenden Begriff „cryptocurrency“, der interessanterweise übrigens nicht ein einziges Mal in Satoshi Nakamotos Whitepaper vorkommt.  Die korrekte Übersetzung von „currency“ ist „Währung“, so dass der Begriff „Kryptowährung“ trotz seiner definierten Inkorrektheit trotzdem stimmt. 

Bis hierhin alle Klarheiten beseitigt? Dann lasst uns weitermachen. Wenden wir uns dem nächsten Block von Begriffen zu, die immer wieder und überall auftauchen:

Coins und Token

Schon das Wort Coin (= Münze) ist sprachlich betrachtet bei Kryptowährungen eine Falle – und das auch schon im englischen Sprachraum. Denn Coins/Münzen kann man in der echten Welt anfassen, sie sind (be-)greifbar. Ein digitaler Coin ist das nicht, unser Gehirn hat aber immer das Bild des Gegenstandes im Kopf. So ist es beim Bitcoin z.B. für Neulinge gewöhnungsbedürftig, dass der Coin ins hundermillionste teilbar ist – das geht mit Geldmünzen nicht, die kann man maximal in kleiner Münzen eintauschen, aber man sägt sie doch nicht auseinander …

Der Begriff „Token“ ist doppelt fies, der hat schon in der IT-Welt selbst mehrere Bedeutungen – da möchte man kein Neuling im Kryptospace sein, der sich mit Google an die Definitionen heranarbeitet.

Wann ein Token ein Token und ein Coin ein Coin ist?

Es besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass (im Sinne einer Kryptowährung) immer dann von Coin gesprochen wird, wenn der Coin auf seiner eigenen Blockchain agiert, also zum Beispiel Bitcoin (BTC), Ethereum (ETH), Cardano (ADA). 

Als Token wiederum bezeichnet man digitale Werte auf einer Träger-Blockchain, also z.B. den Basic Attention Token (BAT) auf der Ethereum-Blockchain. Wobei es Zwitter geben kann – beispielsweise den Binance-Coin/Token BNB, der nativ auf seiner eigenen Blockchain existiert, aber auf anderen Blockchains im Sinne der Interoperabilität ebenfalls als Token existiert.

Anspruchsvoll für das Kleinhirn wird es auch, wenn ein Projekt, das zunächst als Token auf z.B. Ethereum gestartet ist, auf eine eigene Blockchain wechselt und der Token dann zum Coin wird und geswapt werden muss.   

Sind eigentlich alle Token Altcoins, auch wenn sie Token sind?

Eine recht verbreitete Definition von „Altcoin“ (als Abkürzung von „alternative coin“) besagt, dass alles außer Bitcoin ein Altcoin ist, denn es ist eine Alternative zur Mutter aller Kryptowährungen. Diese Definition würde ich unterstützen – der Mensch braucht verallgemeinerte Gattunsbegriffe – Schubladen helfen beim Einordnen, das ist auch im Kopf so. Komplexer geht immer …

Ist dann jetzt gut? Nein.

Zwischenzeitlich hat sich das Kryptoversum weiter aufgefächert – neben Utility Token und Security Token haben wir mittlerweile Stablecoins (die eigentlich immer Token sind). Mit zunehmender DeFi-isierung und den kommenden CBDCs etablieren sich weitere Ausprägungen – mal schauen, wie wir die dann nennen. 

Kommende Woche erscheint der zweite Teil „HODL, SAFU, ATH – nicht nur Miner wühlen sich durch das Rabbithole“. Stay tuned …

Über den Autor

Rolf Leder wurde 1972 in Hamburg geboren, wohnt aber seit rund 10 Jahren in der Nähe von Karlsruhe. Er ist einer der Gründer von Hallo Krypto! und geschäftsführender Gesellschafter der QualitiKs GmbH, einer Unternehmensberatung im Customer Service- und IT-Umfeld.

Rolf sorgt als Unterehmensberater hauptberuflich dafür, dass bei IT-Projekten die Anwender, die Fachanforderer und die IT eine gemeinsame Sprache finden. Mit Bitcoin, Kryptowährungen und der Blockchain-Technologie beschäftigt er sich seit 2016/17, zuerst aus privatem Interesse, seit 2019 gibt er sein Wissen in den Hallo Krypto!-Workshops weiter.

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