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Bitcoin wird nicht verboten – das Thema ist durch.

Die Frage nach einem Bitcoin-Verbot geistert immer wieder durch das Internet und je nachdem, wen man dazu befragt, wird die Möglichkeit eines Verbots bewertet. Natürlich habe ich ebenfalls eine Meinung dazu, sogar eine sehr eindeutige, und ich lege mich auch fest: Es wird in der westlichen Welt kein Verbot von Bitcoin (mehr) geben. In einigen diktatorischen Staaten vielleicht, aber nicht in Ländern und Wirtschaftsräumen, in denen freier Handel und Demokratie vorherrschen.

An dieser Stelle könnte ich den Artikel schon beenden – ist ja schließlich nur (m)eine Meinung und die müsste deshalb auch nicht weiter begründet werden. Aber: sowas machen wir hier nicht – und damit beginnt ein Artikel, der eigentlich hätte kürzer werden sollen. 

Die Stimmung dreht sich

Meiner Wahrnehmung nach ändert sich die öffentliche Stimmung. Weg von den negativen Narrativen, die einen Nutzen von Bitcoin und Kryptowährungen sowieso nur bei illegalen Aktivitäten verorteten. Dies ist nicht zuletzt den Äußerungen von professionellen Marktteilnehmern zuzuschreiben, die Bitcoin als Store of Value und harte Absicherung gegenüber den inflationsgefährdeten Fiatwährungen sehen. 

Beispiele hierfür gibt es immer mehr, die es vor allem auch immer stärker in die Mainstream-Medien schaffen – zum Beispiel verglich der amerikanische Milliardär Paul Tudor Jones, der gern auch als Investment-Legende bezeichnet wird, Kryptowährungen mit Edelmetallen. Ein Vergleich, der nicht ganz neu ist, zumindest wird Bitcoin immer wieder gern als Gold 2.0 bezeichnet und macht dem Edelmetall Palladium eben diesen Titel streitig. 

Natürlich verbreiten die Medien und Portale der Kryptowelt Good News besonders gern, aber nicht nur hier ist der Trend erkennbar. Auch in konservativeren Medien erscheinen zunehmend positive Artikel, z.B. in der Neue Zürcher Zeitung oder (wenn’s etwas mehr Mainstream sein darf) auf FOCUS Online.

Das ist schon nicht schlecht, aber zur richtigen Heldengeschichte wird es ja erst, wenn ehemals erbitterte Gegner zu Freunden werden. So wie die US-amerikanische Großbank JP Morgan oder Larry Fink, der CEO des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock: 

A propos Meinung ändern – da gibt es aktuell noch jemanden, der wahrlich vom Saulus zum Paulus geworden ist: Michael Saylor, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender des an der NASDAQ gelisteten Software-Herstellers MicroStrategy. Hieß es 2013 von ihm noch: „Bitcoins Tage sind gezählt. Es scheint als sei es nur eine Frage der Zeit, bis es den gleichen Tod wie Online-Casinos stirbt.“, …

… investiert er im Jahr 2020 die kompletten Gewinnrücklagen seines Unternehmens in …. Bitcoin. Inzwischen sind das 40.824 BTC, also rund 780 Millionen USD:

Zum Vergleich – MicroStrategy hat einen Jahresumsatz von rund 400 Mio. USD, das ist auch unternehmerisch schon eine echte Hausnummer.

Die Adaption schreitet unaufhaltsam fort

An der Nutzung von eines jeden neuen Dings hängt dessen Erfolg.Im Bereich Kryptowährungen hat sich in den vergangenen fast 12 Jahren seit dem Bitcoin-Genesis-Block viel getan. So hat sich über die Zeit hinweg die  Value Proposition von Bitcoin vom reinen Zahlungssystem („Peer-to-Peer Electronic Cash System“) weg entwickelt – es gibt andere Kryptowährungen, mit denen Paymentprozesse schneller und günstiger abgewickelt werden können. Bitcoin vielmehr ist schon allein aufgrund seiner begrenzten Menge mehr und mehr der ultimative Store-of-Value. Das erkennen auch immer mehr institutionelle Anleger, allen voraus 

Weiter oben hatten wir es ja bereitts von MicroStrategy – das Umwandeln von Rücklagen in dieser Höhe in Bitcoin ist ein enorm starkes Zeichen von Adaption. Noch krasser allerdings ist es, wenn ein Zahlungsdienstleister es seinen über 277 Millionen Kunden in über 200 Ländern, ermöglicht, mit Hilfe seiner entsprechend weit verbreiteten App für sich selbst Bitcoin zu kaufen und zu verwahren: PayPal.

Der Service ist in diesem Jahr zunächst in den USA gestartet und ist dort binnen kürzester Zeit auf einen Bitcoin-Umsatz von 40 Mio. USD pro Tag gekommen. Und das übrgens, bevor PayPal angefangen hat, die Werbetrommel für ihren neuen Service zu rühren. Was sie inzwischen tun:

PayPal will den Service zeitnah auch in Europa und der restlichen Welt anbieten, was zu einer weiteren Adoption führen dürfte. Die Nachfrage nach Kryptowährungen in Deutschland ist vorhanden, das kann aus den jüngst veröffentlichten Volumenzahlen der BISON-App, einer von der Börse Stuttgart betriebenen Handelsplattform sehen. Das Angebot richtet sich vornehmlich an Privatpersonen – und hat in 2020 bereits über 1 Milliarde Euro.  

Diese zunehmende Adaption sorgt für eine steigende Akzeptanz, bei Privatpersonen, Unternehmen und in der Politik – und je breiter etwas akzeptiert und genutzt wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit eines Verbots. 

Die Renditen sind extrem attraktiv

Geld regiert die Welt – Teil 1: Geld. 

Die einzige Sprache, die alle Investoren universal sprechen, ist die Sprache des Kapitalmarktes: Rendite. Nun, die kann sich bei Bitcoin im Vergleich zu Gold und Aktien sehen lassen, wie die folgende Aufstellung sehr deutlich zeigt.

Besonders wichtig für Investoren ist natürlich die Nachhaltigkeit, es soll sich nicht nur einmal lohnen, sondern regelmäßig und verlässlich. Nun … auch in schwachen Jahren performt der Bitcoin deutlich besser als Gold und/oder Aktien. Einen aktuellen Vergleich online hierzu, auch mit anderen Kryptowährungen und z.B. dem DAX oder dem Dow Jones, ermöglicht auch das Münchner Blockchaincenter auf seiner Seite.

Auch wenn der seit langem ersehnte Bitcoin-ETF, also ein auf Bitcoin basierender, börsengehandelter Indexfonds noch immer nicht genehmigt wurde, was m.E. nur eine Frage der Zeit sein kann, gibt es inzwischen allerlei altbekannte Finanzprodukte mit Bitcoin- und Krypto-Fokus. Einer der größten Anbieter ist Grayscale, deren Bitcoin Trust unlängst das Volumen von 500.000 Bitcoin (das entspricht rund 9,6 Milliarden USD) erreicht hat. 

Es steigen also mehr und mehr große Investoren in Kryptowährungen ein, was ein sicheres Zeichen dafür ist, dass das Finanzinstrument Bitcoin sich etabliert hat UND dass die Unsicherheit, ob ein Investment in Kryptowährungen den institutionellen Ansprüchen an Sicherheit und Rendite genügt, schwindet. „Smart Money“, also institutionelle Investoren, stimmt hier quasi mit den Füßen ab. 

Die Regulierung schreitet voran

Geld regiert die Welt – Teil 2: Regierungen

Wer das Geld kontrolliert, der kontrolliert im Prinzip den Staat, was keine wirklich neue Erkenntnis ist: 

Gib mir die Kontrolle über das Geld einer Nation und es interessiert mich nicht, wer dessen Gesetze macht.

Mayer Amschel Rothschild (1744-1812), Gründer der Rothschild-Banken-Dynastie

Es erschließt sich sofort, dass die Politik weltweit Kryptowährungen gegenüber tendenziell skeptisch sind. Eine nicht kontrollierbare Währung (auch wenn es eigentlich keine ist) wie der Bitcoin stellt in seiner reinen Form erstmal eine potenzielle Gefahr für die Aufgabenerfüllung des Staates dar. 

Die erste Reaktion gegenüber etwas bedrohlichem entspringt dem Reptilienteil der menschlichen Psyche – das muss weg, das muss ich töten, bevor es mich tötet! Nun leben wir aber nicht mehr in der Steinzeit und einen Säbelzahntiger habe ich auch schon lange nicht mehr gesehen. In unserer modernen Gesellschaft gibt es eine breit akzeptierte, allgemein anerkannte und weitestgehend akzeptierte Methode, einer Sache Herr zu werden: Gesetzgebung. 

Kryptowährungen bzw. der Umgang damit muss reguliert werden. Das ist nachvollziehbar, unabhängig davon, was man nun insgesamt von Staatsfinanzierungsmodellen und Zentralbanken halten möchte – das eine komplett andere Diskussion, die ich hier nicht führen möchte.  

Klar ist: Eine Regierung reguliert lieber, als dass sie verbietet (was im Übrigen auch eine Art Regulierung wäre, nur eben eine recht ultimative). Regulierung muss dabei nicht zwangsläufig negativ sein – es ist genauso eine Art der Regulierung, wenn gesetzlich verankert wird, dass Gewinne nicht versteuert werden müssen. 

Zur Staatsfinanzierung ist es gemeinhin erforderlich, Gewinne aus Transaktionsgeschäften zu besteuern. Auch diejenigen, die aus dem An- und Verkauf von Kryptowährungen kommen. Das ist alles bereits geregelt und wird steuerlich gelebt – es ist eben, weil recht neu für die breite Masse der Menschen, nur nicht allgemein bekannt, wie und wann und so. 

Die EU unternimmt große Anstrengungen zu einer einheitlichen Regulierung von Geldflüssen, was unbedingt erforderlich ist, um kriminellen Aktivitäten wie Geldwäsche und der unsichtbaren Finanzierung von Terror, Waffen-, Drogen- und Menschenhandel zu unterbinden. Auch die deutsche Gesetzgebung ist hier aktiv und hat die AML-Vorgaben der EU sogar übererfüllt: in Deutschland gilt seit 1. Januar 2020 das Ge­setz zur Um­set­zung der Än­de­rungs­richt­li­nie zur Vier­ten EU-Geld­wä­sche­richt­li­nie

Auch in den USA steht das Thema auf der Tagesordnung der Regulierungsbehörden. Der Chef des OCC (Office of the Comptroller of the Currency – ja das heißt wirklich so) stellte in der vergangenen Woche erst in der US-amerikanischen TV-Sendung „Squawk Box“ klar, dass „die Regulierungsbehörden Bitcoin nicht „töten“, sondern vielmehr für die reibungslose Integration der Kryptowährung in das Finanzsystem sorgen wollen.“:

Blicken wir noch einmal nach Deutschland: 

Die Annahme, der Bundesfinanzminister wolle den Bitcoin verbieten, ist so nicht der Fall. Richtig ist: Olaf Scholz spricht sich gegen Kryptowährungen des Privatsektors aus. Es geht hier um privatwirtschaftlich emittierte Kryptowährungen wie z.B. Diem (Ex-Libra). Die Politik geht gegen die potenzielle Möglichkeit von Konzernen vor, Geld in schwindelerregenden Mengen um den Globus zu verschieben und damit Regierungen erpressbar zu machen. Hierzu wären Mega-Konzerne in der Lage, wenn sie steuern können, welche Fiat-Währung sie nutzen, um Monetarisierung in der Realwirtschaft vorzunehmen – von den Schwierigkeiten in der Besteuerung bankähnlicher Dienstleistungen am Ende mal ganz abgesehen. Ein solches privatwirtschaftliches und zentralisiertes, in den Konzern tiefenintegriertes System ist für die Staaten maximal intransparent. 

Bitcoins Transparenz spricht für sich

Genau da aber spielt Bitcoin eine weitere seiner Stärken aus: die Bitcoin-Blockchain ist öffentlich einsehbar, zu jeder Zeit, von überall. Jede Transaktion ist bis auf die achte Nachkommastelle nachvollziebar, diese Transparenz ist Teil der Bitcoin-DNA. Das heißt nicht, dass alle Transaktionen öffentlich sind – die Pseudoanonymität von Bitcoin sorgt aber für ausreichenden Datenschutz (was ja ebenfalls im Sinne von Politik und Bürgern ist). 

100%-ige Anonymität, also die komplette Verschleierung von Geldflüssen, ist aus staatlicher Sicht natürlich inakzeptabel – siehe oben, das wäre die ultimative Geldwäsche. Es ist meiner Meinung nach daher davon auszugehen, dass weltweit eine restriktive Regulierung von Privacy Coins wie z.B. Monero kommen wird. Aber eben nicht von Bitcoin.

Résumée: Bitcoin wird nicht verboten.

Nicht mehr, das Thema ist durch. Auch ein Verbot müsste durchgesetzt werden, es würde den Interessen der institutionellen Anleger widersprechen und man würde sogar Transparenz verlieren. Auch digitales Zentralbankgeld (CBDC) ist keine Alternative – bis das weltumspannend und miteinander harmonisiert funktioniert, werden noch viele, viele Jahre vergehen.  

Über den Autor

Rolf Leder wurde 1972 in Hamburg geboren, wohnt aber seit rund 10 Jahren in der Nähe von Karlsruhe. Er ist einer der Gründer von Hallo Krypto! und geschäftsführender Gesellschafter der QualitiKs GmbH, einer Unternehmensberatung im Customer Service- und IT-Umfeld.

Rolf sorgt als Unterehmensberater hauptberuflich dafür, dass bei IT-Projekten die Anwender, die Fachanforderer und die IT eine gemeinsame Sprache finden. Mit Bitcoin, Kryptowährungen und der Blockchain-Technologie beschäftigt er sich seit 2016/17, zuerst aus privatem Interesse, seit 2019 gibt er sein Wissen in den Hallo Krypto!-Workshops weiter.

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