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Bitcoin vs. CBDC – wer schadet hier eigentlich wem?

In den letzten Wochen mehren sich die Meldungen: diverse Zentralbanken und Regierungen arbeiten an CBDCs. Sogar die EZB ist am Start und sieht einen digitalen Euro als sinnvolle Ergänzung (aber nicht als Ersatz) für den Euro. Das staatliche digitale Geld soll dem Vernehmen nach insbesondere auch dazu da sein, um ein geldpolitisches Mittel gegen Kryptowährungen zu haben. 

Echt jetzt, wie soll das denn gehen? 

Diese Frage bleibt jedoch zumeist unbeantwortet. Es ist ja tendenziell auch ausreichend, eine Behauptung aufzustellen und allein dadurch die öffentliche Wahrnehmung im gewünschten Sinne zu beeinflussen. Ein stilistisches Mittel, das nicht zuletzt durch Donald Trump weltweit salonfähig geworden ist – einfach mal was rausposaunen, soll sich doch die Gegenseite argumentativ dagegenstemmen. Hauptsache erstmal einen Punkt gemacht und dann weiter, den nächsten Waldbrand irgendwo anzündeln.  

CBDC? Was ist das überhaupt?

Die Abkürzung steht für Central Bank Digital Currency, also direkt übersetzt eine Zentralbank-Digitalwährung. Oder in einfach – digitales staatliches Geld, z.B. ein E-Euro, herausgegeben von der EZB, oder ein digitaler Dollar, der von der U.S. Federal Reserve emittiert wird. 

Digitales Geld hat gegenüber dem papierhaften Geld durchaus ein paar interessante Vorteile, birgt aber auch Nachteile und Gefahren. Wobei die Kombination von Digital und Geld nicht neu ist, wie immer steckt die Tücke im Detail: derzeit gibt es bereits jede Menge digitalisiertes Geld, wir zahlen jeden Tag mit digitalen Repräsentanzen unseres Geldes. Sei es per EC- oder Kreditkarte, per PayPal oder im Onlinebanking – jede Überweisung ist im Endeffekt nichts anderes das Versenden von digitalisiertem Geld. Doch mit CBDC ist etwas anderes gemeint – ein echtes digitales Geld, nicht nur ein digitaler Stellvertreter von Geld – mit allen Chancen und Risiken, weshalb die EZB aktuell auch nicht einfach einen E-Euro einführt, sondern das Konzept ausgiebig testen will. Etwas weiter ist man da bereits in China, wo unlängst 10 Millionen Renminbi (rund 1,25 Mio. Euro) an 50.000 Lottospieler in Shenzen verlost wurden – umgerechnet hat jeder etwa 25 Euro in digitalem Renminbi erhalten.   

Ist eine CBDC in Summe billiger als Papiergeld?

Ja, digitales Geld ist schnell und sehr günstig zu erzeugen, man muss ja nichts drucken oder prägen. Auch in Lagerung und Logistik profitiert man von einer digitalen Version des Geldes, so müssen ja z.B. keine Banknoten ausgetauscht werden, weil sie kaputt oder verschmutzt sind, teure Geldtransporte entfallen, die „Betriebskosten“ sinken.

Auf der anderen Seite allerdings muss ein Netzwerk aufgebaut werden, das die Erzeugung, die Verteilung und den Austausch der Währung unter den Marktteilnehmern ermöglicht – unter Berücksichtigung aller IT-Sicherheits- und Datenschutzregularien, die es gibt. In dieses müssen alle Geschäftsbanken eingebunden werden, da sie die Konten für die Unternehmen und Verbraucher führen. Und genau diese Endkunden müssen dann auch eine Möglichkeit erhalten, mit ihrem Geld zu hantieren – also besteht die Notwendigkeit, alle möglichen Banking-Apps zu erweitern. 

Am Ende kostet all das ebenfalls eine Menge Geld, nur die Art der Arbeit verändert sich. Weg von analoger, hin zu digitaler Arbeit – was überall in der Wirtschaft gilt, kommt also auch bei den staatlichen Notenbanken an.

Was kann eigentlich digitales Geld?

Es ist digital, kann also eigentlich alles, was der Herausgeber möchte – im digitalen Rahmen natürlich. So kann eine CBDC viel effizienter, schneller und anlassbezogener dazu genutzt werden, Inflation durch Minting (Erzeugen) oder Deflation durch Burning (Verbrennen, also vernichten) zu steuern. 

Gleichzeitig aber kommen mit der Digitalität diverse Gefahren auf – das Netzwerk oder der einzelne Nutzer kann z.B. gehackt werden. Es ist nicht zuletzt deshalb ein sehr heißer Tanz, eine solche Digitalwährung zu emittieren – diese Netzwerke sind nicht nur für profitorientierte Hacker interessant, man stelle sich vor, ein Unternehmen könnte über die Gelder eines bestimmten Konzerns frei verfügen oder ein Staat könnte die Kontrolle über das Geld eines anderen Landes übernehmen. Dagegen sind das Kopieren von Bauplänen oder das Abhören von Telefonaten nahezu sowas wie romantische Lausbubenstreiche.  

Gesetzt den Fall, das Netzwerk ist sicher. Aus Sicht des Emittenten ist eine weitere Eigenschaft sehr interessant, die für die meisten Nutzer eher abschreckend sein dürfte: die volle Kontrollmöglichkeit über und Einflussnahme auf jeden einzelnen Token/Coin. Der herausgebende Staat bzw. die Zentralbank könnte die Währung zu jeder Zeit so (um-)programmieren, dass automatisch Zinsen gutgeschrieben oder Gebühren belastet werden, dass Steuern automatisch abgeführt werden oder Einlagen über einem definierten Betrag einbehalten werden. Auch das Einfrieren von Guthaben, das Limitieren von Transfers oder das Sperren von einzelnen Zugängen/Wallets wäre denkbar – schöne neue Welt.

Hinweis: Es ist nicht gesagt, dass das so vorgesehen ist und kommen wird, theoretisch wäre es technisch aber möglich. 

Sorgt eine zusätzliche digitale Währung nicht für mehr Inflation?

Durch CBDC kann theoretisch die Geldmenge beliebig erweitert werden und damit die Kaufkraft der Nennwährung maximal verwässern. Das ist natürlich nicht im Sinne der Notenbank bzw. des betreffenden Staates, man kann also davon ausgehen, dass die Geldmengenerweiterung begrenzt wird und die digitale Währung zumindest von der eigenen Währung staatlich gesichert („backed“) ist. 

Zum Beispiel geschieht dies, indem physische Banknoten mit dem gleichem Wert wie die erzeugten digitalen Coins/Token vernichtet (Tausch analog<>digital) werden. Man kann sich auch vorstellen, eine Zwillingskonstellation zu erzeigen – für einen Geldschein mit der Nummer 12345678 gibt es genau einen Coin mit gleicher ID. Der physische Zwilling wird dann so lange weggeschlossen, wie der digitale Zwilling „lebt“, damit nicht beide gleichzeitig im Umlauf sind. 

Gegenüberstellung CBDC vs. Bitcoin

CBDC (z.B.: E-Euro) Bitcoin (BTC)
Code
nicht Open Source

zu 100% zentralisiert und kontrolliert
100% Open Source

Änderung nur nach komplexer Konsensfindung möglich
Netzwerk
vermutlich dezentral strukturiert mit zentraler Kontrolle (Private Ledger)
100% dezentrale, öffentlich einsehbare Blockchain (Public Ledger)
Wallet / Konto
muss mit Fiat-System kompatibel sein (verm. Bankkonto/Wallet-Kombi von Geschäfts- und/oder Notenbank)
eigene Wallet, Tausch von/zu Fiat über Exchanges
Inflation / Deflation
unklar, die Notenbank bzw. der Staat bestimmt die Geldmenge nach eigenem Ermessen
fixer Supply mit klar definierter Inflation, aktuell 1,8% p.a.
Steuern / Zinsen
unklar, aber generell möglich (z.B. direkte Besteuerung, Verzinsung, Gebührenabzug, ...)
nicht nativ vorgesehen DeFi nur über Drittanbieter-Lösungen

Sind CBDCs nun gefährlich für Bitcoin oder andersrum?

Hier ist (meiner Meinung nach) gar keiner für niemanden gefährlich, die Frage stellt sich nämlich überhaupt nicht. 

Die Gemeinsamkeiten von Bitcoin und CBDCs sind beim Wort Digital schon erschöpft – der Bitcoin hat mit Zentralbankdigitalgeld ungefähr so viel zu tun wie ein Fisch mit einem Fahrrad – und es wird sicher keine Liebesbeziehung. 

Warum der Vergleich trotzdem immer wieder gezogen wird, erschließt sich nicht. Das ist wie der Vergleich von Kopfsalat mit Kirschen, man kann beides essen und beide fangen mit K an.   

Mahlzeit.

Ressourcen

Nachfolgend eine kleine Auswahl von vertiefenden Artikeln und Links zum Thema – wie man am Echo erkennen kann, ist das ein ganz heißes Thema im Kryptoversum.

Hinweis: Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – es wird sehr viel mehr darüber geschrieben, auch auf den referenzierten Plattformen. Auch wird die Liste nach Veröffentlichung dieses Posts nicht weiter fortgeführt/ergänzt.

Über den Autor

Rolf Leder wurde 1972 geboren. Er ist seit über 25 Jahren in unterschiedlichen Positionen im Kundenservice-, IT- und Prozessumfeld tätig.

Er sorgt als Vermittler und Dolmetscher dafür, dass die Anwender, die Fachanforderer und die IT eine gemeinsame Sprache finden.

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