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Bitcoin und der Energieverbrauch – es ist nicht ganz so einfach, wie man es als Kritiker vielleicht gern hätte.

Laut dem Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index verbraucht Bitcoin derzeit (Stand: 22. April 2021) mehr als 110 Terrawattstunden (TWh) weltweit im Jahr. Dies entspricht in etwa dem Stromverbrauch der Niederlande oder knapp 21% des Verbrauchs von Deutschland (ca. 524 TWh p.a.). Im globalen Vergleich relativiert sich dies aber etwas: Weltweit beträgt die gesamte Energieproduktion (ebenfalls laut der University of Cambridge) rund 25.082 TWh, Bitcoin verbraucht demnach ca. 0,51% der globalen Energieproduktion.

Natürlich ist angesichts einer drohenden Klimakatastrophe jeder Bruchteil eines Prozents zu viel. Schließlich sollten wir Energie sparen, anstatt den Verbrauch zu steigern. Dennoch entschärft ein Vergleich die Problematik etwas – Energie ist nicht zwingend mit Klimaschädigung gleichzusetzen, sonst würden weder Elektroautos noch Solarpaneele einen Sinn ergeben.

Konventionelle Energien, die aus Kohle oder Öl gewonnen werden, sind wegen ihres hohen CO2-Ausstoßes wesentlich klimaschädlicher als erneuerbare Energien aus Wind, Solar oder Wasserkraft. Atomenergie wäre an sich ebenfalls klimaneutral, verursacht aber Abfälle, die nicht nur extrem langlebig sind, sondern zum Lebensfeindlichsten gehören, das es auf unserer Erde gibt. Daraus ergibt sich, dass der Energieverbrauch fürs Bitcoin-Mining mit konventionellen Energien in allen Fällen nicht tolerierbar ist.

Konventionelle Energien sollten niemals kostengünstiger sein als Erneuerbare!

Wie schafft man das? Durch den Abbau von Subventionen für konventionelle Energien und die Verringerung bzw. Abschaffung der starken Besteuerung erneuerbarer Energien. Wenn Bitcoin-Mining ein Problem für das Klima ist, dann kann man es durch die ohnehin dringend notwendige Korrektur der Energiepolitik lösen.

Aber Angesichts der globalen Klimakrise reicht es aber nicht, allein die Energieerzeugung auf erneuerbare und klimaneutrale Erzeugung umzulenken. Wir müssen den Energiebedarf senken! Aber wie?

Könnte die Welt mit Bitcoin Strom einsparen?

Es geht um die Wachstums- Überfluss- und Konsumgesellschaft. Unsere globale Wirtschaft braucht Wachstum, um nicht zu kollabieren. Die Gründe sind komplex und undurchsichtig. Da spielen Schulden im generellen und Staatsschulden im speziellen eine Rolle, wohl auch die Inflation, die diese Schulden ausgleicht, aber zugleich alle ärmer macht, wenn sie nicht durch Wachstum ausgeglichen wird. Ein Finanzsystem, das Erträge absaugt, ohne selbst zu produzieren usw. – verstehen tue ich das auch nach Jahren intensiver Beschäftigung damit nicht so richtig.

Niemand kann bestreiten, dass das derzeitige Wirtschaftssystem einen unglaublichen Überfluss an Waren und Gütern erzeugt, dabei die Umwelt ausraubt, unsere Zeit vergeudet und Energie verbrennt. Solange unsere Gesellschaft auf Überfluss aufbaut, werden wir das Problem niemals lösen können. Egal, wie viel Strom wir privat sparen, egal, wie viele Solarpaneele wir uns aufs Dach stellen und egal, wie viele Elektroautos wir subventionieren.

„Es reicht nicht, einen immer noch größeren Kuchen zu backen,
es braucht neue Rezepte, die seine Qualität verbessern!“

Uwe Bauer

Solange wir nicht bereit sind, uns von einem auf Überfluss und Wachstum aufbauenden Wirtschaftssystem abzuwenden, ist es eine reine Geste, sich über das Bitcoin-Mining zu beklagen. Ganz im Gegenteil: Bitcoin als ein Geldsystem mit berechenbar sinkender Inflation, in dem Geld mit zunehmender Adoption des Systems immer knapper wird, könnte eine Änderung unseres gesamten Geldsystems einleiten. Weg vom Zentralbanken-System mit immer weiter steigenden staatlichen und privaten Schulden, hin zu weniger Konsum und zu Wohlstand auch ohne immerwährendes Wachstum. Sofern nur eine kleine Chance besteht, dass Bitcoin so einen Systemwechsel einleitet (und das ohne Massenelend), ist Bitcoin die Hoffnung für die Menschheit, wirklich nachhaltig zu leben.

Bevor man den hohen Energiebedarf für Bitcoin kritisiert, sollte man zudem einen Vergleich anstellen, welche bisherigen Geschäftsfelder durch Bitcoin (weitgehend) ersetzt werden könnten. Zwei Beispiele:

Gold als Wertspeicher:
Die Gewinnung von Gold ist alles andere als umweltverträglich. Es wird mit enormem Energieaufwand tief in der Erde abgebaut und verwüstet dabei riesige Landstriche. Großteils zu dem Zweck, dass große Mengen des Metalls in Barren und Münzen gegossen werden, um Wert zu speichern.

Die Bankenwelt:
Banken mit ihren riesigen Verwaltungsgebäuden und Rechenzentren sind Energiefresser. Von ihnen werden Wertgüter gelagert und von einer Bank zur anderen transportiert. Dabei handelt es sich nicht nur um Geldscheine und Münzen, auch hier kommt wieder Gold ins Spiel. Wieviel Energie dieser Apparat verschlingt kann, wohl nur geraten werden – ich denke aber, dass der Bitcoin-Energieverbrauch um ein Vielfaches unter dem Verbrauch der Bankhäuser liegt.

Der Bitcoin bietet außerdem etwas, dass viele echte Währungen nicht bieten: Stabilität! Wohlgemerkt nicht im Wert, der schwankt extrem, sondern in der Menge. Während Dollar und Euro je nach Wirtschaftslage von Notenbanken und Banken recht beliebig vermehrt werden können, lautet das Bitcoin-Versprechen: Es wird maximal 21 Millionen Bitcoin geben.

Weil Bitcoin noch dazu schwerer zu vermehren ist als Fiatgeld oder auch Gold, ist der Bitcoin womöglich eine Wertanlage, mit der man sein Vermögen auf Dauer besser sichern kann als etwa mit Tagesgeld, Barren, Münzen oder Scheinen.

Es steckt etwas Wahres in dem Szenario, dass die Zentralbanker und Staatenlenker ihre Schulden nicht mehr weg-inflationieren können, wenn der Bitcoin zu stark wird. Wenn es ihnen aber wirklich ums Klima geht, gibt es gute Konzepte. Wie für alle stromintensiven Industriebetriebe sollte auch für Bitcoin-Miner gelten – beteiligt sie direkt an den Kosten des Klimaschadens, etwa über CO2-Zertifikate. Da zahlt derjenige mehr, der besonders viel CO2 in die Luft pustet. Und wer seine Bitcoins z.B. mit Wasserkraft schürft, zahlt nichts oder deutlich weniger.

Der hohe Stromverbrauch beim Mining bedeutet nicht automatisch, dass die digitale Währung das Klima belastet oder sogar die Umwelt zerstört. Der ökologische Fußabdruck des Bitcoin ist kleiner als angenommen. 

Es geht nämlich nicht darum, wieviel Strom verbraucht wird, sondern woher er kommt!

Uwe Bauer | Hallo Krypto!
Uwe Bauer
Über den Autor

Uwe Bauer hat das große Ganze im Blick, die gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen von Bitcoin & Co. in der heutigen Zeit sind sein Metier. Mit klaren Blick und scharfem Verstand sorgt er dafür, dass Hallo Krypto! trotz all der Bäume nie den Wald vergisst.

Uwe war 50 Jahre in der Druck- und Medienindustrie tätig, davon über 30 Jahre in leitender Funktion. Er ist seit vielen Jahren als selbständiger Unternehmensberater erfolgreich.

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