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Bitcoin (BTC): Der Bullenmarkt und die On-Chain Daten

Während Bitcoin (BTC) weitere Allzeithochs markiert, stößt die Chartanalyse an ihre Grenzen der Vorhersagekraft. In solchen Fällen – und auch sonst – lohnt sich ein Blick in die On-Chain Daten.

„Das ist genau wie damals 2017!“

Solche oder so ähnliche Aussagen konnten wir in der jüngeren Vergangenheit zu Bitcoin (BTC) öfters hören bzw. lesen. Und zugegeben, als der Bitcoin Kurs seinem ehemaligen Allzeithoch aus 2017 immer näher kam Mitte Dezember 2020, kamen natürlich viele Erinnerungen hoch. Doch noch ehe sich die meisten dieser Erinnerungen im Bewusstsein entfalten konnten, durchbrach der Preis von BTC dann am 16. Dezember 2020 auch schon die Kursmarke von 20.000 USD.

Was seither mit dem Bitcoin Kurs geschieht, ist für viele Marktteilnehmer (ob aktiv oder passiv) nicht mehr gänzlich nachvollziehbar. Nun, selbst Profis stoßen hier manchmal an ihre Grenzen. Denn die Chartanalyse mit den tollen Linien, bunten Kerzen und technischen Indikatoren verrät uns momentan nicht so viel, wie wir gerne wissen würden. Was also tun? Na, wir stürzen uns auf fundamentale Daten! Am besten solche Daten, die direkt über das Bitcoin-Netzwerk selbst zu erfassen sind.

Bitcoin von und zu Kryptobörsen als Indikator für die Preisentwicklung

On-Chain Daten sind fundamentale Daten, die uns Einblicke in verschiedenste Bereiche des Bitcoin-Netzwerkes geben. So können wir bspw. sehen, wie viel BTC zu jeder gegebenen Zeit an oder von (bekannten) Adressen von Kryptobörsen gesendet wird. Das gibt uns einen schönen Aufschluss über möglichen Verkaufsdruck (BTC wird zu Exchanges gesendet) oder HODL-Verhalten (BTC wird von Exchanges gesendet).

Wer diese Daten verfolgt, konnte Ende Dezember 2020 und Anfang Januar 2021 große Ausschläge in den Abhebungen von BTC feststellen. Diese Abhebungen erfolgten dabei zumeist auf Coinbase Pro, was auf institutionelle Kaufaktivitäten schließen lässt. Smart Money kauft Bitcoin bei über 25.000 oder selbst 30.000 USD? Ja, so macht es den Anschein. Und wenn wir uns jetzt noch vor Augen führen, dass Smart Money nicht mit 25 oder 30 % Profit zufrieden ist, dann sehen diese großen Investoren ein massives Preiswachstumspotenzial.

Transfervolumen in BTC von und zu Kryptobörsen

Quelle: Glassnode

Gleichzeitig sehen wir zuletzt aber auch wieder mehr Einzahlungen von BTC bei Kryptobörsen. Dies dürfte großteils Retail sein (Herr Müller zum Beispiel). Denn die Privatanleger belassen ihre wertvollen Coins schon mal gerne auf Kryptobörsen, was natürlich nicht gerade ratsam ist. Aber gut, wir wollen uns an dieser Stelle auch gar nicht mit der sicheren Verwahrung von Kryptowährungen beschäftigen.

BTC gehalten am Kassamarkt

Quelle: Woobull

Vergleichen wir aber das Verhalten der Menge an BTC an Kryptobörsen von heute zu 2017 beispielsweise, dann sehen wir immer noch signifikante Unterschiede. Während die Menge an BTC gehalten in Wallets von Kryptobörsen in 2017 praktisch nur zunahm, sehen wir heute gerade mal den Anfang einer eventuellen Trendumkehr von abnehmender Menge hin zu zunehmender Menge. Und Retail im Markt würde bedeuten, dass die Hauptphase dieses Bullenmarktes gerade erst begonnen hat.

Adressen mit mehr als 0 bzw. 1.000 BTC steigen an

Dass beide Lager weiterhin in den Markt strömen, also Smart Money und Retail, können wir auch anhand weiterer On-Chain Daten sehen. Zum Beispiel an der Anzahl der Adressen mit mindestens 1.000 BTC oder mehr. Diese Anzahl stieg zuletzt wieder stärker an. Das bedeutet: Große Investoren kaufen immer noch kräftig ein.

Anzahl an Adressen mit 1.000 BTC oder mehr

Quelle: Glassnode

Einen sprunghaften Anstieg in den Abhebungen von BTC sahen wir zuletzt am 02. Januar 2021. Laut Glassnode verließen an diesem Tag knapp 37.000 BTC die Kryptobörsen. Die Adressen mit 1.000 BTC oder mehr erfuhren einen starken Anstieg seit Dezember 2020 und einen erneuten Impuls nur wenige Tage nach dem 02. Januar 2021. Gleichzeitig steigen aber auch die Adressen mit einer Menge, die noch 0 ist.

Anzahl an Adressen mit einer Menge an BTC über 0

Quelle: Glassnode

Diese Adressen gehören nicht ausschließlich Retail-Anlegern, aber doch auch mit. Und auch hier zeigte sich 2017 ein parabolischer Anstieg, während wir in 2021 mit BTC-Preisen oberhalb von 40.000 USD noch immer einen eher normalen Aufwärtstrend erleben. Retail ist also wohl im Markt, aber noch nicht in einem bedenklichen Ausmaß. Und das bedeutet: BTC hat noch immer Luft nach oben.

Reserve Risk zeigt das Vertrauen der BTC HODLer in den Preis

Wie eingangs bereits erwähnt kennt die Chartanalyse mit ihren Linien und Indikatoren Grenzen. Wenngleich niemand mit absoluter Genauigkeit ein Top oder Bottom prognostizieren kann, die technische Analyse hat nur sehr begrenzte Werkzeuge, die eine solche Prognose überhaupt zulassen. On-Chain Daten können hier allerdings mit gleich mehreren Metriken glänzen. Eine dieser Metriken ist der sog. Reserve Risk. Eine Metrik, welche das Vertrauen von Langzeitanlegern in den Preis eines Assets misst.

Reserve Risk für Bitcoin

Quelle: Glassnode

Die Werte im Reserve Risk für Bitcoin von 2013 und 2017 (die ehemaligen Jahre mit Höhepunkten in Bullenmärkten) sind noch weit entfernt. Langzeitanleger scheinen also den Preis von Bitcoin weiterhin für „fair“ zu halten und rechnen sich gleichzeitig ein weiteres, lohnenswertes Risiko/Chancen Verhältnis aus.

MVRV und NUPL zur Bestimmung von möglichen Tops

Weitere hilfreiche Metriken beim Versuch der Prognose von Tops und Bottoms sind MVRV und NUPL. Starten wir mit der ersten Metrik. MVRV steht für nichts anderes als das Verhältnis von Marktwert zu realisiertem Wert. Dieses Verhältnis versucht anzugeben, ob ein Asset bei einem fairen oder unter-/überbewerteten Preis gehandelt wird.

MVRV für Bitcoin

Quelle: Glassnode

Wie wir gut erkennen können, korrelierten die bisherigen Spitzen der MVRV mit den Tops im preislichen Verlauf von Bitcoin (BTC). Selbiges gilt auch für die Bottoms und Tiefststände in der MVRV. Wir nähern uns gegenwärtig langsam dem Bereich von 2017, wobei ein deutlich höherer Preis heute auch eine deutlich höhere MVRV erzeugen könnte.

Deswegen lohnt sich ein Blick auf das Verhältnis der durchschnittlichen, nicht realisierten Profite und Verluste (NUPL). Diese Metrik kann Aufschluss über stets wiederkehrende Emotionen während der verschiedenen Phasen in Marktzyklen geben. Und wir sind – wenig verwunderlich – nicht mehr weit von einem irrationalen Marktzustand entfernt.

NUPL für Bitcoin

Quelle: Glassnode

Erkennbar an den blauen Spitzen in der Metrik sind die Marktzustände dominiert von Euphorie und Gier. Dies sind Extreme im Sentiment, welche gemäß dem zyklischen Verhalten von Märkten und Sentiment, irgendwann die Gegenrichtung einschlagen. Ein Wert von 0.75 bei NUPL gilt als Grenze hin zu diesem Sentiment. Noch haben wir diesen Wert nicht erreicht bzw. überschritten. Und selbst danach kann dieser Wert noch eine ganze Weile weiter ansteigen. 2013 waren wir bei einem Höchstwert von 0.82, 2017 bei 0.79.

Schlusswort

Nun, das genaue Preisziel vor einer möglichen Preisumkehr mit anschließend erwartbarer Konsolidierung können weder Chartanalysten noch On-Chain Analysten genau bestimmen. Während der technischen Analyse nach neuen Allzeithochs jedoch nur noch begrenzte Mittel zur Verfügung stehen, kann die On-Chain Analyse aber auch weiterhin auf die volle Bandbreite der Metriken zugreifen.

Wie wir erkennen können, scheint der Bitcoin Kurs noch immer Luft nach oben zu haben. Retail-Anleger scheinen gerade erst so richtig in den Markt zu strömen und Smart Money kauft bei Preisen jenseits der 25.000 und 30.000 USD weiterhin alle Satoshis, die es zu finden gibt. Das große Finale dieses Anstiegs ist also noch nicht erfolgt und dieser Bullenmarkt ohnehin noch nicht zu Ende.

Disclaimer: An dieser Stelle sei erwähnt, dass sämtliche, gemachte Angaben ausdrückliche keine Finanzberatung oder Ermutigung zu irgendwelchen Investitionen darstellen. Vor dem Kauf von Kryptowährungen bzw. der Eröffnung von Handelspositionen ist immer eigene Recherche zu betreiben. Der Handel mit Kryptowährungen birgt ein hohes Verlustrisiko und es sollte daher nie mehr Kapital eingesetzt werden, als beim Verlust verschmerzt werden kann. Wir nutzen für unsere Analysen Tradingview.

Thomas Schmied
aka Decentrade
Über den Autor

Thomas Schmied ist freier Autor, Journalist, Ghostwriter, Schreibcoach & Kommunikationsberater seit 15 Jahren. Kurzum: Thomas ist jemand, der mit Worten umgehen kann. Zeitgleich ist er aber auch begeistert von Daten, Zahlen und Programmcode.

Diese Leidenschaften führten ihn von zahllosen (Fach-)Texten zu allgemeinen Wirtschaftsmeldungen. Schnell ging es von dort zu Finanznachrichten und der Börse. In die Börse verliebt, gab sich Thomas dem Trading hin. Über die Begeisterung für das Programmieren und die Börse war der Weg in die Krypto-Szene nicht mehr weit.

Heute verbindet er seine Vorlieben miteinander: Er tradet Krypto-Assets, er schreibt über Krypto-Themen und arbeitet nebenbei noch an Entwicklungsprojekten aus der Kryptobranche mit.

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