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Beherrscht die Sharing Economy unsere Zukunft?

„Wir besitzen nicht, wir benutzen nur!“ – Die Wiederentdeckung des Teilens!

Die Idee des Sharings ist nicht neu. Schon in der früheren Zeit haben Menschen Dinge, die sie im Augenblick nicht mehr brauchten, verliehen. Im Mittelpunkt stand der Gemeinschaftskonsum!

Dann kam der Wohlstand und mit ihm eine Zeit, in der sich vieles um persönlichen Besitz und um Individualität drehte. Wieso leihen, wenn man auch besitzen kann? Die Zeiten in denen Dinge aus finanziellen Gründen gemeinschaftlich genutzt werden mussten, waren vorbei. Zu gut ging es den Menschen und zu günstig sind die Produkte geworden. Wie ein Inselbewohner richtete man sich ein und stattete man sich aus, unabhängig und autark.

Trotzdem, oder genau deswegen, ist sie jetzt wieder da, die Sharing Economy. Der Wohlstand ist zu selbstverständlich geworden und seine Folgen für die Welt dramatisch.

Nachhaltiger Konsum ist wichtiger als Besitz!

Minimalismus wird zum neuen Trend-Lifestyle. Das Ziel ist es, möglichst wenig Ressourcen zu verbrauchen, anstatt möglichst viel zu kaufen. Kapazitäten, die schon da sind, sollen ausgenutzt werden. Statt Isolation soll es wieder mehr soziale Kontakte geben und der Zusammenhalt in der Gesellschaft soll gestärkt werden.

Der Unterschied zu früher: heute gibt es Internet und Smartphones. Viele neue Plattformen sind einzig dafür entstanden, Suchende und Bietende miteinander zu verbinden. Bezahlt wird ganz einfach, mobil. Innerhalb kurzer Zeit ist so eine Welt des Leihens und Tauschens entstanden. Man holt sich nicht mehr nur Bücher aus der Bibliothek oder Ski vom Verleih. Man fährt mit Car-Sharing zur Arbeit, schläft in einer Airbnb-Wohnung, verleiht seinen Smoking oder leiht sich ein Abendkleid. Im Mittelpunkt steht der Gemeinschaftskonsum!

Ist dieses neue Wirtschaftssystem Fluch oder Segen? Oder beides?

Die Ökonomie des Teilens wird von der Wirtschaft einerseits kritisch betrachtet, andererseits produktiv genutzt. Carsharing etwa ist in einigen Ländern ausgesprochen beliebt und in der Hand von Genossenschaften und Firmen. Zudem werden private Autos zu öffentlichen Taxis umfunktioniert und über Apps Fahrer mit Fahrgästen zusammengebracht. Kritisiert wird mit Blick auf die Benutzer, dass überwiegend (noch) diejenigen, die Zutritt zur virtuellen Welt haben, auch Zugang zur Sharing Economy erhalten, was mit den Begriffen der Informationsethik einen digitalen Graben bzw. digitale und informelle Ungerechtigkeit bedeutet. Mit Blick auf die Vermittler fällt auf, dass diese allein durch ihre Plattformen, ohne eigene Wohnungen, Fahrzeuge, Inhalte etc. zu besitzen, ganze Branchen ins Wanken bringen können. Ob dieser „Plattformkapitalismus“ gerecht ist, kann bezweifelt werden. Unbedingt positiv ist allerdings, dass die Umwelt geschont und der Verbrauch bewusster und sozialer wird. Auftrieb erhält die Sharing Economy besonders jetzt in Krisenzeiten.

Möglich wird all das durch die Kombination aus digitalen Daten und Prozessen plus nicht abreißender Datenströme. Dieses Netz der Dinge (Internet of Things – IoT) bringt zum ersten Mal Menschen, Maschinen, Sensoren und Software zusammen und ermöglicht es, jedes noch so kleine Detail des Alltags zu messen, zu analysieren und mit diesen bzw. auf Basis dieser Daten zu handeln oder zu tauschen. Hängt damit jeder am Netz und ist damit Mess- und Steuergröße zugleich?

Doch was hat der normale Mensch als Verbraucher, Arbeitnehmer und Bürger davon, wenn er Teil und Teilnehmer dieser datengetriebenen Wirtschaft wird? Expertenurteile zu dieser Frage könnten nicht unterschiedlicher ausfallen. 

An einem Ende des Spektrums steht der Wirtschaftswissenschaftler Robert Reich aus den USA. Er prangert die sogenannte Sharing Economy, also das Vermieten von allen möglichen Ressourcen folgendermaßen an.

„Wer will schon in einer Volkswirtschaft leben, in der Roboter alles erledigen was sich verlässlich im Voraus programmieren lässt und in der alle Gewinne an die Eigentümer der Roboter fließen? Die Menschen erledigen die Arbeit die unvorhersehbar ist wie Gelegenheitsjobs, Bereitschaftsdienste, abholen und reparieren, liefern was rund um die Uhr gerade so anfällt und versuchen damit mehr schlecht als recht ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.“

Robert Reich, Wirtschaftswissenschaftler 

Am anderen Ende des Spektrums steht ein Goldgräber der neuen digitalen Ordnung wie Travis Kalanick, Gründer und Chef der ebenso üppig finanzierten wie umstrittenen Transportdienstes Uber. Nachdem er Taxifahrer und Kommunen in aller Welt auf die Barrikaden trieb, preist er nun die Vorzüge seines Geschäftsmodells:

„Dieses Jahr steht für uns im Zeichen neuer Partnerschaften mit Städten in der EU. Bis zum Jahresende werden wir 50.000 neue Arbeitsplätze schaffen und 40.000 Autos aus dem Verkehr ziehen.“ 

Travis Kalanick, Gründer und Chef von Uber

Mehr Arbeit und weniger Abgase, folgt man Kalanicks Argument, weil zehntausende von Gelegenheitsfahrern und Millionen von Passagieren mit Hilfe einer Smartphone-App plötzlich Zugang zu einem der boomenden neuen Märkte für spontan geteilte Ressourcen haben.

Seit es die Sharing Economy gibt, gibt es auch Unternehmen, die sie zum Businessmodell machen. Dabei lassen sich drei Arten von Geschäftsmodellen unterscheiden:

B2B heißt in diesem Fall, dass eine Firma Geräte, Produkte oder Dienstleistungen an andere Firmen verleiht. Diese muss kein Vermögen für neue Geräte aufbringen oder Experten einstellen, die möglicherweise nur für einen kurzen Zeitraum benötigt werden. Auch die Vermietung von Arbeitsplätzen fällt in diese Kategorie. Wie gutes B2B-Sharing aussehen kann zeigt hier beispielhaft die Fa. Linde. Neben ihrem Kerngeschäft, der Herstellung und dem Verkauf von Staplern, hat die Firma jetzt auch Leihgeräte, Automatisierung und Flottenmanagement im Angebot.

B2C meint, dass ein Unternehmen die Möglichkeiten der Sharing Economy nutzt, um privaten Kunden sein Produkt zur Verfügung zu stellen. Ein Beispiel dafür ist das Carsharing Angebot Stadt-Mobil in Karlsruhe. Der Dienstleister stellt und pflegt neben der Plattform, über die es betrieben wird, auch die Fahrzeuge.

P2P (Peer-to-Peer oder Gleich-zu-Gleich) ist ein Geschäftsmodell, bei dem nur die notwendige technische Infrastruktur zur Verfügung gestellt wird, also die Plattform über die sich Personen finden können, die tauschen und mieten möchten. Einerseits wird hier zwischen Angebot und Nachfrage vermittelt, andererseits werden (neue) rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen. Manche dieser Angebote sind kostenlos, z.B. Couchsurfing. Andere wie etwa Airbnb verlangen Provisionen.

Für Unternehmen ist das Peer-to-Peer-Modell besonders spannend. Es ist im Vergleich zu den anderen Modellen noch sehr jung und bietet viel Potential für technische Innovationen.

Dezentrale Sharing Economies
Sie sind ein Sonderfall mit zunehmender besonderer Bedeutung, da es sich hier um Sharing Economies handelt, die ohne eine zentrale Kontrollinstanz funktionieren, welche feste Gesetze definiert und Abgaben einfordert. Beispielhaft ist hier die Kryptowährung Bitcoin zu nennen, die immer bedeutsamer wird. Kryptowährungen bedingen für den Nutzer i.d.R. keinen Medienbruch, wie dies bei herkömmlichen Zahlungsmitteln der Fall ist. Sie sind nativ in die jeweiligen Anwendungsfälle integriert. Und sie sind mehr als nur Geld – Smart Contracts übernehmen die treuhänderische Verteilung von Nutzungsentgelten auf Besitzer und Vermittler, besorgen die Logik von Treue- und Verwendungsprämien und ganz nebenher sind sie noch überall ohne Ländergrenzen und entsprechenden Geldwechselbedarf verfügbar. Hier besteht ein dezentrales Verifizierungssystem, das niemandem gehört und nicht manipuliert werden kann. Alle Informationen, die übermittelt werden, werden auf unterschiedlichen Servern Computern oder Smartphones gelagert und verifiziert.

Fazit: Teilen statt besitzen, tauschen statt kaufen. 

Die Sharing Economy ist groß und sie wird noch grösser werden. Für Unternehmen bedeutet das: wer zukunfts- und wettbewerbsfähig sein will, für den führt kein Weg daran vorbei.

Jetzt geht es darum zu überlegen, wie man die Sharing Economy für sich nutzen kann, welche Strategien kann das Unternehmen entwickeln und welches Geschäftsfeld ist relevant? Will man eigene Produkte teilen, oder könnte das Unternehmen selbst zum Plattformbetreiber werden?

Es wird immer wichtiger, auf die (neuen) Bedürfnisse der Konsumenten einzugehen. Diese erwarten günstige, schnell verfügbare Angebote und Produkte, die hochwertig und lange haltbar sind. Immer wichtiger wird die Schaffung von Zugängen zum Netz für Hardware-Produkte, die über das Internet der Dinge mit dem Nutzer kommunizieren.

Uwe Bauer | Hallo Krypto!
Uwe Bauer
Über den Autor

Uwe Bauer hat das große Ganze im Blick, die gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen von Bitcoin & Co. in der heutigen Zeit sind sein Metier. Mit klaren Blick und scharfem Verstand sorgt er dafür, dass Hallo Krypto! trotz all der Bäume nie den Wald vergisst.

Uwe war 50 Jahre in der Druck- und Medienindustrie tätig, davon über 30 Jahre in leitender Funktion. Er ist seit vielen Jahren als selbständiger Unternehmensberater erfolgreich.

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