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Bedrohen Bitcoin und andere Kryptowährungen unser Gesellschaftsmodell?

Ein Gespenst geht um in der Finanzwelt, diesmal ist es nicht der Kommunismus, der das Geld-Establishment in Angst und Schrecken versetzt. Das Gespenst heißt heute Kryptowährungen und es droht die etablierten Machtstrukturen in der weltweiten Finanzindustrie umzukrempeln. 

Traum oder Alptraum?

Von einigen Befürwortern der neuen digitalen Währungen hören wir Heilsversprechen, die Ähnlichkeiten mit dem kommunistischem Manifest haben: Vom Umsturz des traditionell intransparenten, korruptionsanfälligen und völlig überteuerten Geschäftsmodells der Banken, über mehr Demokratie in Unternehmen und im Staat, Fairness im globalen Handel und die Durchsetzung sozialer Gerechtigkeit bis hin zu einem Wohlstandturbo für die Ärmsten der Armen.    

Ein Beispiel: Dank Bitcoin, der dezentralen Währung, konnten unabhängig von Banken und staatlicher Kontrolle schon großartige Projekte umgesetzt werden. Ein gutes Beispiel hierfür ist aus meiner Sicht Wikileaks, dass ohne Bitcoin wohl nicht überlebt hätte. Unter dem Druck der US-Regierung froren MasterCard und PayPal 2010 die Konten von Wikileaks und damit die Zahlungen an die Organisation komplett ein. Allein an diesem Beispiel merkt man, wie wichtig die Rolle von Bitcoin und anderen Kryptowährungen eigentlich ist: Sie lassen sich nicht durch einzelne Interessengruppen regulieren. 

Das klingt doch erstmal gut. Kein Staat, der über das Geld wacht, keine Bank, die es verwaltet und keine Kontrolle durch irgendwen. Liegt hier aber nicht doch ein massives Problem für unsere moderne Wohlstandsgesellschaft? 

Soziale Marktwirtschaft als Grundpfeiler unserer Gesellschaft

Ein wesentlicher Grundpfeiler unserer Gesellschaft ist die Umverteilung von
Geldern bzw. Wertschöpfung. Vereinfacht gesagt: Jeder Bürger zahlt basierend auf dem persönlichen Einkommen Steuern in einen „großen Topf“ aus dem verschiedene Projekte, im Interesse aller finanziert werden. Dadurch wird unser Wohlstand abgesichert und hilfsbedürftige Bürger können auf eine starke soziale Absicherung bauen.

Die soziale Marktwirtschaft ist die Grundlage unserer freiheitlichen, offenen und solidarischen Gesellschaft.

Die zentrale Idee der sozialen Marktwirtschaft besteht darin, die Freiheit der Wirtschaft und einen funktionierenden Wettbewerb zu schützen und gleichzeitig Wohlstand und soziale Sicherheit in unserem Land zu fördern.

Ist soziale Marktwirtschaft mit Kryptowährungen machbar? 

Kann der Staat diese Leistungen auf der Basis von Kryptowährungen wie z.B. Bitcoin nicht mehr erbringen? Kann er die Einkommen dann noch kontrollieren? Ja er kann, wenn er die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür schafft.

Der Medienkonzern Facebook hat sich mit der angekündigten eigenen Kryptowährung Libra ein großes Ziel gesetzt. Nur mit einem Smartphone sollen ab 2021 über eine Milliarde Menschen, die keinen Zugang zum herkömmlichen Bankensystem haben, einen Anschluss ans Finanzsystem finden.

Wie ist das von dem Libra-Vordenker David Marcus gemeint, wenn er nicht ohne Pathos so idealistische Vorsätze wie „Freiheit, Gerechtigkeit und Geld“ für alle in Aussicht stellt? 

Die Reaktion der USA und EU ist hier selten einmütig: ablehnend. Der Grund ist, dass sich Libra dem Kontroll- und Zuständigkeitsbereich und Machtgefüge des  staatlich gelenkten Zentralbanksystems (noch) entzieht.

Bitcoin vs. Libra

Mit Bitcoin z.B. kann man „Libra“ nicht wirklich vergleichen. Diametrale Unterschiede bestehen u.a. in Sachen Transparenz (Bitcoin Open Ledger-Blockchain steht zentralisierter Kontrolle bei Libra gegenüber) und der Verarbeitung von Transaktionen (durch dezentrale, gleichgestellte Anwender bei Bitcoin bzw. durch eine kleine Gruppe von Großunternehmen bei Libra.) Die konzeptionellen und strukturellen Unterschiede könnten kaum grösser sein.

Die Zukunft ist digital

Die abnehmende Bargeldnutzung (selbst bei uns)  sowie die Möglichkeit dass z.B. mit dem chinesischen „E-Yuan“ und Facebooks „Libra“ und natürlich Bitcoin alternative staatliche und private Digital-Währungen schnell zur weltweiten Verbreitung kommen könnten, haben in Europa die Diskussion um die Zukunft des Geldes wiederbelebt. Die Einführung von CBCDs (digitalem Zentralbankgeld) wäre ebenfalls ein erheblicher Einschnitt in das gegenwärtige Geld- und Banksystem.

Die deutsche Bundesregierung hat die Blockchain-bedingten Umbrüche im Finanzsektor erkannt und Anfang dieses Jahres eine Blockchain-Strategie vorgestellt und im August 2020 einen Referentenentwurf für ein Gesetz vorgelegt. Dadurch sollen auf EU-Ebene die Weichen für eine Token-Ökonomie gestellt und der Handel sowie die Verwahrung dieser Vermögenswerte reguliert werden.

Die EU will einen gesetzlichen Rahmen schaffen.

Um die immer schneller fortschreitende Digitalisierung und damit einhergehenden Anwendungen mit der Blockchain-Technologie auch in der Finanzindustrie hat die EU-Kommission für ihre 27 Mitgliedstaaten einen Vorschlag zur Regulierung von Kryptowährungen vorgelegt, der zur Vereinheitlichung elektronischer Zahlungsmethoden führen soll.

Die Vorschläge der Kommission bieten nach Ansicht des Digitalverbands Bitkom gute Chancen für Werte wie Bitcoin. Diese könnten deutlich an Fahrt gewinnen, teilte der Verband mit. Die EU harmonisiert den bisherigen nationalen Regulierungs-Flickenteppich bei Kryptowerten und kann damit eine weltweite Vorreiterrolle einnehmen.

Das heutige Paket wird Europas Wettbewerbsfähigkeit und Innovation im Finanzsektor stärken. Investoren und Verbraucher würden mehr Auswahl und Möglichkeiten bei finanziellen Diensten und modernen Zahlungsmethoden erhalten. Gleichzeitig würden Verbraucherschutz und die finanzielle Stabilität gestärkt.  

Der zuständige EU-Kommissar Valdis Dombrovskis sagt: „Die Zukunft der Finanzwelt ist digital!“. Die Kommission betont, das Maßnahmenpaket werde dazu beitragen, einerseits verantwortungsvolle Innovationen anzukurbeln, vor allem für Start-ups, und den Investorenschutz zu stärken. Andererseits würden Risiken hinsichtlich Geldwäsche und Cyberkriminalität verringert.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die guten Vorschläge der EU die parlamentarischen Hürden der Kontrollorgane in einem absehbaren Zeitraum, ohne Änderungen passieren, um dann eine verlässliche gesetzliche Basis für Kryptowährungen in Europa, für 300 Millionen Menschen, zu haben.   

Fazit

Um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Bedrohen Bitcoin und andere Kryptowährungen unser Gesellschaftsmodell? Aus meiner Sicht ein klares NEIN!

Im Gegenteil! In unserer zunehmend digitalisierten Gesellschaft werden Kryptowährungen auf Basis der Blockchain-Technologie nur eine logische Weiterentwicklung sein, wenn es dafür den notwendigen gesetzlichen Rahmen gibt.  

Bei Libra allerdings sehe ich für unsere freiheitliche Grundordnung erhebliche Gefahren, durch monopolisierte Großunternehmen, die sich der nationalen oder europäischen Kontrolle entziehen können und dadurch die einzelnen Nationalstaaten erpressbar werden.

Und nun: Corona!

Die Welt steht angesichts der Corona-Pandemie vor der größten Herausforderung seit vielen Jahren. Die Folgen des Virus drohen nahezu alle Regionen unseres Planeten gleichzeitig in die Rezession zu stoßen. Millionen Arbeitsplätze sind gefährdet und Millionen Existenzen sind bedroht.

Kann die soziale Marktwirtschaft in einer digitalisierten Gesellschaft bestehen? Ich mache mir da wenig Sorgen. Im Gegenteil: Die digitalisierte Gesellschaft bewirkt eine Neujustierung aller Lebensbereiche,
die mit dieser Pandemie umso dringender wird. Sie bietet durch ihre Nutzung der Wirtschaft und damit Gesellschaft eine höhere Wertschöpfung.

Voraussetzung ist allerdings ein Zukunftsplan und eine gerechte Verteilung. Deshalb ist unsere Marktwirtschaft das Mittel um aus dieser Krise gestärkt hervorzugehen, denn sie ist anpassungsfähig und auch kreativ.

Ein wahrer Krisenmanager!

Uwe Bauer | Hallo Krypto!
Uwe Bauer
Über den Autor

Uwe Bauer hat das große Ganze im Blick, die gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen von Bitcoin & Co. in der heutigen Zeit sind sein Metier. Mit klaren Blick und scharfem Verstand sorgt er dafür, dass Hallo Krypto! trotz all der Bäume nie den Wald vergisst.

Uwe war 50 Jahre in der Druck- und Medienindustrie tätig, davon über 30 Jahre in leitender Funktion. Er ist seit vielen Jahren als selbständiger Unternehmensberater erfolgreich.

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